Siedlung Klee in Affoltern

Ebenfalls im Stadtquartier Affoltern sehen wir die ganz anders geartete Grosssiedlung «Klee» und damit die mögliche Vielfalt von Bebauungsmustern: Die sieben Schmetterlinge – wie im letzten Posting gezeigt – legen sich über eine gemeinsame Geländekante, die Siedlung «Klee» breitet sich in der Ebene aus. Der Name kommt vom Kleeblatt, das einen simplen Blockrand mit Ein- und Ausbuchtungen undulieren lässt. Der Innenhof wird dadurch in mehrere Buchten gegliedert. Aus einem für den menschlichen Massstab zu grossen und langweiligen Hof werden kleinere verschieden nutzbare Bereiche. Den einspringenden Ecken entsprechen drei überhohe Zugänge. Die Grossform generiert als Gegenstück auch im Äusseren drei Buchten, die auf ihre Art nutzbar sind. Das ist, was Architektur im Siedlungsbau leisten kann, wenn sie engagiert ist.

Die Architekten Knapkiewicz & Fickert bauten die Siedlung Klee 2014 für die Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft sowie die Baugenossenschaft Hagenbrünneli. Wenn sich die Richtigen zusammentun, entsteht mit 340 Wohnungen nicht nur Grosses, sondern auch gute Gestaltung im menschlichen Massstab. 

Kommt im Gegensatz dazu eine Swiss Life, wie in Leutschenbach, wird ein Hochhaus neben die Mustersiedlung «Mehr als Wohnen» gepflanzt und Kinder müssen ein isoliertes und wenig glückliches Hors-Sol-Leben fristen.

Die eingangs beschriebene Qualität und Varietät ist mit so viel Bodenbezug und Geborgenheit der Bewohner und ihrer Kinder im Hochhaus nicht zu haben. Darum ist es wichtig, in den Quadratkilometern der Aussenquartiere die Möglichkeit für solche wertvolle Baumuster auch für die Zukunft zu sichern und den Einzug von Wohnsilos zu verhindern. Diese Perspektive sah auch der Gemeinderat. Deshalb rechts nochmals die Abstimmungsempfehlung für den 27. September. 

Die Schmetterlingssiedlung

Es gibt kaum eine bessere Art in den Aussenquartieren von Zürich zu bauen als es mit der Siedlung Wolfswinkel in Affoltern/Zürich getan wurde. Die Genossenschaft ABZ ist Bauherrin; die Architekten sind Egli Rohr aus Baden. Sieben Schmetterlinge flattern der Länge nach über die Parzelle. Quer kann man sie über einen Geländesprung durchschreiten und längs durch Ihre Taillen. Das ermöglicht, vor allem für Kinder, interessante Bewegungsmuster und eine Vielzahl von Spielzonen. Mit einem dreieckigen Treppenhaus in jedem Schmetterlingsflügel überrascht auch das Innere. Naturlicht kommt von oben und gelangt an den Geländern vorbei bis nach unten. 

Diese Siedlung ist ein perfektes Muster für die kinderreichen Quartiere der Peripherie von Zürich. Eine grösseren Wohnqualität ist kaum mehr vorstellbar.

Genau in diesen Familienquartieren schlagen die für solche Qualitäten blinden Parteien FDP, GLP und Mitte die schon oft erwähnten quadratkilometergrossen Hochhausquartiere vor. Wo ideale Wohnformen für Familien und ihre Kinder spriessen, soll bodenfernes Silowohnen erzwungen werden. Dieser spekulativ motivierten Hartherzigkeit, die sich gegen das Wohlergehen der Bevölkerung wendet, muss eine Absage erteilt werden: Durch ein Ja zur Vorlage Gemeinderat.

Auch dann bleiben diese Quartiere gefährdet, denn der inzwischen ausgeschiedene Stadtrat Odermatt hat in seiner letzten Sitzung durchgesetzt – gegen die mehrjährige Arbeit des Parlaments – aus Rache seine ursprüngliche Variante voll von Hochhauszonen in der Peripherie aus der Schublade zu holen und ebenfalls zur Abstimmung zu bringen. Diese Vorlage Stadtrat verdient ein klares Nein. Bei der Stichfrage ist die Vorlage Gemeinderat anzukreuzen.

Unter dem Radar

Was die langfristigen Folgen betrifft, sind die beiden Hochhausabstimmungen vom 27. September ernst zu nehmen. Sie entscheiden, wie die nächsten Generationen in den Quadratkilometern der orangen Aussenquartiere (siehe letztes Posting) ihr Leben fristen: Mit Bodenbezug oder Hors-Sol. «zuervitruv» ist bewusst geworden, dass sich die Debatte in den Medien unter dem Radar bewegt. Es geht nicht um Hochhaus ja oder nein, es geht um die schicksalshafte Entscheidung, unter welchen Bedingungen Familien ihre Kinder aufziehen. Wir können mit dem Stimmzettel darüber befinden.

Ob die nötige Aufklärung von den Medien noch rechtzeitig erbracht wird? Die Stimmcouverts sind eingetroffen. Inside Paradeplatz hat der Aufklärung noch rechtzeitig Platz gegeben. Sie haben Zugang über Internet und finden den Beitrag mit Datum 1.9.2026 unter dem Titel «Silowohnen zerstört ganze Kinder-Generationen».

Internet & Google: Inside Paradeplatz unter Artikel/Standpunkte. 

Die orangen Gebiete

Orange koloriert sind im Plan die in den letzten Postings erwähnten neuen und zusätzlichen Hochhausgebiete die der Stadtrat in seiner Abstimmungsvorlage vorschlägt. Das Orange trifft im Norden die Quartiere Affoltern, Oerlikon, Seebach und Schwamendingen und im Südwesten Altstetten und Albisrieden. Wie schon früher gesagt, handelt es sich um ganze Quadratkilometer.

Der Gemeinderat hat nach zweijähriger Arbeit am 25. Februar entschieden, diese zusätzlichen Zonen zu streichen. Das macht den Abstimmungsvorschlag des Gemeinderats aus.

Dass hier in diesen Aussenquartieren, wo vorwiegend Familien mit Kindern wohnen, ebenfalls «verhochhäuselt» werden soll, gibt zu denken. Das damit erzwungene Hors-Sol-Leben trifft hier die Falschen. 

Enttäuschend sind die Diskussionen in den Architekturforen gelaufen. «zuerivitruv» war dabei. Die Argumente, dass das Hochhaus für Familien nicht geeignet ist und dass die vom Stadtrat vorgeschlagenen Zonen ausgesprochene Familienquartiere treffe, fand kein Gehör. Die Diskussionen bewegten sich erstens fern der orangen Gebiete und zweitens behinderte eine hochhauslastige Besetzung der Podien die Diskussion über längst bekannte geeignetere Alterativen der Verdichtung. Wir sehen im unteren Bild schönes Beispiel aus Holland.

Inzwischen ist nach aussen gedrungen, die Sektion Zürich des BSA (Bund Schweizer Architekten) werde sich für die Vorlage des Stadtrats einsetzen. Der Erhalt des Spielzeugs Hochhaus hat gewonnen. «Hors-Sol» hat über die Entwicklung schöner lebenswerter Siedlungen gesiegt.

Das Hochhaus – Träne von Kind und Familie

Um es vorwegzunehmen: Die am 26. September zur Abstimmung kommenden Quadtratkilometer von neuen und zusätzlichen Hochhauszonen in den zürcher Aussenquartieren sind für unsere Lebensqualität alles andere als harmlos. Das trifft die Aussenquartiere, wo vorwiegend Familien mit ihren Kindern in Normalbebauung mit Bodenbezug bezahlbar wohnen. Das heisst, dass bis etwa zum 3. Stock (= 4. Etage) Kinder freien Auslauf haben können. Darüber reisst dieser Lebensfaden, der eine erfolgreiche Entwicklung garantiert. Die Nabelschnur des Lifts, die das Kinderleben auf Spielkonsole und Handy reduziert hält auch Spielkameraden fern. Das Hochhaus schliesst die ganzen frühen Lebensbereiche aus, die historisch gesehen, selbst in ärmsten Verhältnissen möglich waren. Das Hochhaus wurde jahrzehntelang nie als Wohnform aus Sicht von Mensch & Bewohner – jung oder alt – hinterfragt. Es gab Warnzeichen, wie 1981 das bekannte Berliner Buch aus der Gropius-Hochhausstadt «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» von Christiane Felscherinow. Der früh verbreitete Ausdruck «Wohnsilo» bezeichnet die hartherzige Massenunterbringung bestens. So alt, wie das Leiden im Silo, ist die Verteidigung des Hochhauses für Wohnzwecke. Das zeigt sich gerade jetzt im Vorfeld der Abstimmung. Die Protektion des Hochhauses für Wohnzwecke kommt aus den erstaunlichsten Ecken. Aus dem Amt für «Städtebau» und von zu vielen Architekten.

Unter den allzu wenigen Stimmen, die sich jetzt der fatalen Meinung entgegenstellen, gehört der wohl bekannteste Städtebauer Europas: Vittorio Magnago Lampugnani. Im fast schon historisch gewordenen Hintergrund verweilt der weltberühmte dänische Städtebauexperte Jan Gehl, gefragter Berater von Städten und Verfasser von grundlegenden Büchern. Remo Largo, ehemaliger Chefarzt des Kinderspitals und Verfasser von Fachbüchern zur Erziehung platzierte seinen berühmten Satz «Sagen Sie mir einmal, wie man im 24. Stock ein Kind aufziehen soll». Im Bild sehen Sie das Titelbild des Buchs «Kindheit ohne Raum» von Marco Hüttenmoser. Er vergleicht unter anderem Kinder von A- und B-Familien die bodennah oder hors-sol wohnen. Eine Grundlage, die alle Siedlungsbauer konsultieren müssten. Allen voran die Amtsstellen, die die sozial gefährliche Vorlage zur Abstimmung bringen. Selbige Botschaft geht an die drei Parteien FDP, GLP und Mitte, welche mit ihrem völlig unnötigen Behördenreferendum die vom Parlament aus dem Programm gestrichenen Quadratkilometer zurückholen wollen. All diese Evidenz wird von den Hochhaustreibern weggewischt und das Kind – unsere Zukunft – soll hartherzig und bodenfern im Silo kaserniert aufwachsen.

Die Hochhäusler von Zürich

Stadtrat André Odermatt ist nach den Wahlen zurückgetreten, doch nicht ohne dem neuen Stadtrat noch ein Kuckucksei in die frische Legislatur zu legen. Sein Nachfolger Tobias Langenegger wird keine Freude haben, denn ein Kuckucksei ist ein Ei, das ein Kuckuck ins Nest eines anderen legt. Im Ei findet sich Odermatts Originalversion der Hochhausrichtlinien mit Quadratkilometern  von neuen Hochhauszonen (orange im Bild). Damit will Odermatt die Fortsetzung seiner schon lange fragwürdig gewordenen Hochhauspolitik dem neuen Stadtrat und der Verwaltung aufzwingen. Uns ist längst bekannt, dass es qualitativ bessere Möglichkeiten für die Verdichtung gibt als das Hochhaus. Für die Nachfolgenden stellt sich – noch in der Formierung begriffen – viel zu früh bereits eine Vitalitätsfrage. Das ist allein schon unfair. Dazu kommt noch der Angriff auf das gereifte Resultat jahrelanger Arbeit der gemeinderätlichen Kommission und des Mehrheitsbeschlusses im Gemeinderat von 25. Februar 2026.

Das ist gefährlich, weil die von den «Hochhäuslern» bereits weitverbreitete irrige Meinung, dass es für Verdichtung das Hochhaus brauche, kurzfristig nur schwer zu begegnen ist. Das weiss natürlich Odermatt und hat Chancen zu gewinnen. Die städtebaulich versierte Leserschaft von «zuerivitruv» wird seine Vorlage natürlich ablehnen. Die Abstimmungscouverts kommen gegen Ende August. Sie sehen: es geht nicht ohne Ihre Hilfe; persönlich und in Ihrem Bekanntenkreis.

Die am 25. Februar unterlegenen FDP und GLP haben das Behördenreferendum ergriffen, damit der Mehrheitsentscheid des Gemeinderats ebenfalls zur Abstimmung kommt. Dazu brauchte es keinerlei Aufwand – eine Unterschriftensammlung erübrigte sich.

Der alte Stadtrat und FDP/GLP/Mitte füttern Baulöwen

Börsenkotierten Grossimmos warten wie Löwen auf Beute. Gemäss Artikel NZZ «Der Anlagenotstand zwingt zu riskanten Wetten auf Betongold» vom 12. August bezahlen sie gegenwärtig unglaubliche Preise, sogar für völlig vernachlässigte Liegenschaften bzw. Grundstücke. Diesen Löwen zu Hilfe kommt der abgetretene Stadtrat Odermatt mit seiner Abstimmungsvorlage prall voll neuer, d.h. zusätzlicher Hochhausgebiete. Das wären Quadratkilometer im ganzen Norden und im Südwesten von Zürich. 

Dazu kommt, dass FDP, GLP und (unglaublicherweise) die Mittepartei mit einem Referendum gegen den Gemeideratsbeschluss vom 25. Februar vorgehen, der ebendiese exzessive odermattsche Erweiterung von Zürichs schon zu grossen Hochhausgebieten abgelehnt hat. 

In der gegenwärtig zugespitzten Situation ist das verantwortungsloses Spiel mit dem Feuer, das innert kurzer Zeit zu einer «Verhochhäuselung» dieser noch bezahlbaren Familienquartiere führen würde. Der Anlagenotstand hätte eine Abbruchwelle zufolge. Und da im 20-40% teureren Hochhaus gegenüber Normalbauweise pro Fall mehr Kapital platziert werden kann, entsteht noch zusätzlicher Anreiz. Das erklärt, warum diese Wohnform nicht mehr bezahlbar ist. In diesen ausgesprochenen Familienquartieren wäre das fatal.

Bei Zustandekommen einer oder beider Vorlagen würde sich das soziale Unglück auch noch in einer weiteren Ausbreitung des unerfreulichen Zürcher Hochhaus-Stoppelfelds in alle diese Randquartiere ausdrücken: «Wuhan everywhere».

Boulevard Rämistrasse?

Die Rämistrasse könnte mehr aus sich machen. Im Bereich zwischen Sonnegg- und Haldenbachstrasse ist sie eine beeindruckende schattige Platanenallee, neben dem neuen Kunsthaus jedoch eine grosse sommerheisse Steinwüste. Das Trottoir misst für Zürich reiche 7 Meter und gähnt vor Leere. Die bauliche Begrenzung ist die abweisende hermetisch geschlossene Steinfassade des Kunsthausneubaus. Trottoir und Fassade heizen sich schon am Morgen auf und strahlen den ganzen Tag – eine wahre Durststrecke.

«zuerivitruv» fragte in den letzten Jahren schon mehrmals beim Tiefbauamt nach den Baumreihen. Die Antworten fielen jeweils ausweichend aus. Offenbar ist der Stellenwert der Rämistrasse in der Stadt Zürich den Behörden noch nicht klar. Es müsste hier ein klassischer europäischer Boulevard durchlaufen, wie es überall auf dem Kontinent der Fall ist, wo ehemals Stadtbefestigungen standen. Unsere Ringstrasse könnte – wie in Wien – zum Begriff werden. «Schärfung des Stadtbildes» heisst dann die gute Tat. Dürfen wir in der neuen Legislatur darauf hoffen?