In einem seiner Themenhefte «Wohnungsbau – Die Schweiz im 21. Jh.» portraitiert führt René Furer, 1968-94 Dozent für Architekturtheorie an der EZH Zürich, die markante städtische Blockrandsiedlung auf dem Areal des ehemaligen Tramdepots Tiefenbrunnen im Zürcher Seefeld. In dieser Zeit war «Bockrand» nicht nur vergessen, sondern sogar verpönt. Trotzdem setzte sich der junge Architekt Willi Kladler mit seinem genialen Entwurf ausserhalb jeglichen Trends durch; sogar gegen den grossen Theo Hotz, der im Architekturwettbewerb den 2. Preis errang. 102 Wohnungen sollten es werden, doch keine Ansammlung von Blöcken, sondern ein Stück Stadtgewebe am langen offenen Hof. «Offen» auch, weil die Randbauten nach oben zurückwichen, dem Hof Licht brachten und damit für die Wohnungen Terrassen generierten. Es ist ein Gewebe von ungewöhnlicher Intelligenz entstanden: «eines fördert das andere». Hier sehen wir eine ganz seltene «Synthese», die den landesüblichen «passiven Kompromiss» bei weitem überstrahlt.
Wie beim Bahnhof Stadelhofen (Calatrava) ist die Wahl dieses überragenden Entwurfs einer mutigen Jury zu verdanken. Ganz anders verdankt sich der Tiefschlag der Hochhauswand der Überbauung des Tramdepots Hard ebenfalls einer Jury. Im Seefeld erhielt das bestehende Blockrandgebiet eine zeitgemässe Version als Ergänzung. An der Limmat beschattet eine Hochhauswand auf der (falschen) Südseite der Limmat auf alle Zeiten den Fluss und sogar noch den beliebten Wipkingerpark. In den Türmen werden etwa 200 Kinder unglücklich in die Höhe kaserniert – im Seefeld wachsen sie, sobald sie krabbeln können, im Paradies auf.