Der Städtebau-Experte (und -Klassiker) Vittorio Magnago Lampugnani hat für das Richti-Areal einen Masterplan von europäischem Format gemacht. Das ehemalige Industrieareal lag 1998 brach, geriet in verschiedene Hände und wurde 2007 von Allreal übernommen, welche Lampugnani engagierte. Für die 7 Baufelder wurden 5 Architekturbüros beauftragt (eines davon Baukontor Architekten mit Lampugnani) und 2010-14 realisiert.
Den ersten Gruss macht eine Arkade, die mit Travertin verkleidet und mit Pendelleuchten ausgestattet ist. Man meint das auch schon gesehen zu haben, z.B. in Turin. Darüber weisser Verputz und klassisch-hochformatige Fenster mit (nicht ganz!) in die Laibungen eingefalteten dunkelgrün gestrichenen Läden à la parisienne. Wie das Bild zeigt, ist die Schlichtheit und Eleganz überwältigend – und sehr beruhigend! Auch das Innere überzeugt: die interessante Höhenteiligkeit der Fassade und die Sockelzone mit Gartensitzplätzen der Erdgeschosswohnungen.
«Blockrand» wird – nach dem im letzten Posting vorgestellten Superblock aus dem Jahr 1992 im Seefeld – im Jahr 2007 in Wallisellen wieder auf andere Art neu erfunden. Die Erfindung bedurfte eines Gestaltungsplans mit Volksabstimmung. Die Qualität des Planwerks, das den Raum zwischen dem Bahnhof und dem Zentrum Glatt überzeugend gestaltet, wurde erkannt. Grosse politische Hürden können mit Qualität überwunden werden. Der Besuch der 6 Höfe ist jedermann empfohlen – das Richti-Areal ist eine in urbaner Schlichtheit gestaltete Welt für sich, die nicht nur Höfe, schöne Strassen, sondern inzwischen auch Kulinarisches bietet.