9 HHLB: Uferschutz

Der Plan links oben zeigt die im gegenwärtig vorliegenden Entwurf für die Revision des Zürcher Hochhausleitbilds vorgesehenen Hochhauszonen: Blau bedeutet 80 Meter Bauhöhe, Braun 60 und die schwarzen Streifen im Blau unbegrenzte Höhe. Die laufende Unterschriftensammlung für die Volksinitiative zum Schutz der Ufer ist berechtigt – hier der Text und die Möglichkeit zu unterschreiben:

www.uferschutz.ch  oder über:  https://collect.campax.org (uferschutz)

Oben rechts sehen sie eine Situation in Toulouse – einer anderen guten europäischen Stadt. Wir haben nicht gerade Wettbewerb, doch ist es eine verbreitete Eigenschaft in Europa, stets für schöne und lebenswerte Städte zu sorgen. Im weltweiten Paradigmenwechsel hin zu klimatisch-ökologischen Zielen gewinnen die Zonen entlang der Binnengewässer an Bedeutung. Hier erhält die Stadt Zürich durch die Volksinitiative die Chance, das Steuer herumzuwerfen und der vorliegenden Fehlplanung im Hochhausleitbild wirkungsvoll zu begegnen. 

Eine Stadt im Wachstum braucht gleichzeitig mit Hochbauten die vorausschauende Planung ihrer Grünanlagen. Die europäische Stadt hat sich stets als Gesamtkunstwerk verstanden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Leben – unter der Führung von Paris – überall in den öffentlichen Raum getreten. Wir wünschen dem Zürcher Amt für Städtebau, dass das auch in der gegenwärtigen zweiten grossen Bauperiode gelinge. In der ersten war dies der Fall: Denken Sie ans Bellevue und die grossartigen Quaianlagen von 1887.

8 HHLB: Andere Stimmen zu Zürich

Dies ist die 8. Folge der Kommentare über das noch im Dezember vorgestellte revidierte Hochhausleitbild (HHLB) für Zürich. Lehnen wir zurück und lassen wir einmal andere sprechen. Da ist der langjährige ehemalige Architekturkritiker der NZZ, Roman Hollenstein, der uns vor ein paar Jahren folgende letzte Worte bezüglich Bauten des linken Ufers der Zürcher Bucht widmete (Auszug): 

«…. dass dies weder der Stadtrat noch die Denkmalpflegekommission erkennen wollten, zeigt, wie unsensibel man im boomenden Zürich geworden ist, wo die Interessen der Hausbesitzer höher gewichtet werden als das einzigartige Stadtbild. Da fragt man sich, ob es überhaupt noch ein Baukollegium gibt, das über die architektonische Qualität geplanter Neubauten wacht.»

Ein Zürcher Kunsthistoriker, der in Rom lebt: 

«In Zürich haben allem Anschein nach alle, sogar Baugenossenschaften, eine infantile und unbedarfte Freude an Hochhäusern. Sind hier Personen am Werk, die zu jung sind, um sich an die enttäuschten Hoffnungen zu erinnern, die in den 1960er und 70er Jahren gebaute Hochhäuser zurückliessen? Der Verdichtungswahn führt allem Anschein nach auch zu Realitätsverlust.»

«zuerivitruv» meint, dass sich Zürich die Hochhausfrage im Sinne von «überhaupt» stellen muss, denn Paris kommt bei 4-facher Einwohnerdichte ohne Hochhäuser aus. Es gibt also Alternativen zum fragwürdigen Hochhauspfad. Sie sollten geprüft werden, bevor nochmals 20 Jahre auf fragwürdig gewordenem Pfad weitergefahren wird.

2023: Formen – oder verformt werden?

«zuerivitruv» dankt seiner Leserschaft ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, auch wenn es nicht immer vergnüglich war. «zuerivitruv» vermutet/verortet sich an der Grenze von Gegenwart und Zukunft der Stadt Zürich. Das Thema Städtebau im Zusammenhang mit einer lebenswerten Stadt steuert seinen Kurs. Seien Sie auch im neuen Jahr willkommen!  Auch für dieses Jahr ist Brandung zu erwarten – wir werden einiges aushalten müssen um unsere Stadtentwicklung in der noch immer anhaltenden grossen Bauphase auf einem «lebenswerten» Pfad zu weisen.

Wir ziehen die Frage «formen oder verformt werden?» über die Jahresgrenze hinweg. Zeichen dafür ist, dass auch an dieser Jahreswende ein Leuchtturm in der Brandung steht.

Bilder: Phare de Nividic, Île d’Ouessant, baigné par Mer d’Iroise