«… dass sich die Stadt Zürich wieder um Farbe kümmern könnte» – so hat das letzte Posting geschlossen. Bereits 1927 hat sich eine Aktion «Farbiges Zürich» formiert. Daran haben aufgeweckte Hauseigentümer an der Münstergasse teilgenommen. Es ist die Zeit, da die Stadtbehörden begannen die Altstadt aus hygienischen Gründen auszukernen. Und, wie oben erwähnt, schlugen Künstler vor, die Altstadt farbig zu gestalten. Die naturgrau verputzten, weil gar nie gestrichenen Altstadthäuser sollten aus dem Mittelalter erweckt und für die neue Zeit schön gemacht werden. Ein grosses Farbkonzept von namhaften Künstlern war für den Münsterhof mit seinen vielen gut sichtbaren Fassaden vorgeschlagen worden, wurde aber nicht umgesetzt. Ob das kräftige Blau des Zunfthauses zur Waag doch darauf zurückgeht? Ein später Nachklang sind die drei Häuser von Sibler, dem Küchengeschäft, die sich um die Ecke in die Storchengasse hinein erstreckt.
Noch später, in den achtziger Jahren, gestaltete Rolf Keller das Gebäude am Rindermarkt 23 für die Apothekerin Sylvia Briggen innen und aussen neu. Balken wurden – im Erdgeschoss für das Publikum sichtbar – freigelegt. Im Rahmen der kürzlich erfolgten Renovation ist das Konzept von Rolf Keller in Material und Farbe restauriert worden: Kalkfarbe mit mineralischen Pigmenten; «römisch» Rot für die Fassade und Schwarz für die Fenster.
«zuerivitruv» wird jetzt beim Schreiben klar, dass solch hervorragende Resultate kein Zufall sind. Es braucht Bauherrschaften und Architekten mit Engagement und Bezug zur Stadt. Rolf Keller war Mitglied der ZAS (Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau), welche sich u.a. schon früh für ein autofreies Limmatquai einsetzte. Sylvia Briggen führte die erste 24-Stunden-Apotheke am Bellevue.