Wir kommen aus den nationalen Aufgaben des Bundeshauses und der ETH mit einem epochalen Fernglas heraus. Schwenken wir es doch in unsere Zeit herüber weil grosse Bauten auch in unserer Epoche entstehen. Unsere «Grands Travaux» sind Wohnbauten. Schauen wir uns einmal «Hard & Hohl» – die Prominentesten – bei Beschränkung auf die gröbsten Merkmale an.
Wie in diesen Zeilen auch schon gesagt, positionieren sich die beiden Türme der Bebauung «Depot Hard» und ihr langer Gebäudesockel auf dem Südufer der Limmat, wo sie dem Fluss und dem gegenüberliegenden Wipkingerpark mit ihrer gigantischen Kulisse das Licht stehlen. «Grands Travaux» können mächtig Schaden anrichten, oder wie die ETH, die von der Geländekante aus besonnt über die Stadt schaut, der Stadt eine Krone aufsetzen. Eine «Hand» hat beide gebaut. Weil Bauten ewig sind, kann es immer sein, dass die Recherche einst auf die Autoren trifft.
Die Stadt hat sich auf der Südseite des Gleisfelds an der Hohlstrasse ebenfalls für hoch aufragende Grossbauten entschieden. Eine stetig wachsende Betonkulisse, die sich – einer Raupe gleich – am bis zu 300 Meter breiten Gleisfeld in Richtung Hauptbahnhof weiterfrisst. Hat man je überlegt, was da im Stadtmassstab geschieht? Hitzestau am Gleisfeld, Stapelung von Menschen am Bahnlärm?
Zum Schluss dieser Vergleichsbetrachtung die Frage: Haben wir im jungen Jahrhundert Werte geschaffen? Haben wir der Stadt etwas gegeben? Und haben wir sie im grossen Bauen (wie z.B. um 1900) gleichzeitig aufgewertet? Darf es im Jahrhundert so weitergehen, oder müssen wir in den Wahlen Besserung einfordern?
Über „erschaffene Werte“ wird erst der spätere Rückblick urteilen können. Ganz sicher erscheint aber jetzt schon, dass vieles vom Neuen sich einer Anpassung, Annäherung oder Ergänzung an das Bestehende verweigert und sich der gegebenen Topograhie widersetzt. Solches Widerwerk wird nie zu einem interessanten, angenehmen, ganzen (Stadt-) Gefüge werden – und im schlechtesten Fall dem weitsichtigen, harmonischen Bestehenden genau diese Eigenschaft rauben.