Im Zürcher Bauwesen muss es besser werden. Das sagt schon das letzte Posting: 16 Jahre kaum Vision, wenig Ziel in einer Zeit des Booms. Betriebsunfälle, wie die Depot-Hard-Türme, die forcierte Fortschreibung des Hochhaus-Stoppelfelds mit der Förderung von nicht bezahlbarem Hochhauswohnen haben bleibenden (gebauten) Schaden angerichtet. Die Fronten sind verhärtet, weil keine starken Ideen sie überbrücken konnten. Keine Begeisterung weit und breit.
Die Wahlen haben uns für das Bauwesen im Stadtrat ein gutes Team gebracht: Die Wiederwahl von Simone Brander im Tiefbau und neu von Tobias Langenegger im Hochbau. Simone Brander hat, wie schon gemeldet, begonnen, da und dort Lebensraum durch kleine Plätze zu schaffen. Und auf oberster Ebene der Zukunftsvision hat Brander den Konzeptentwurf «Stadtraum Bahnhof 2050» präsentiert. Diese neue hohe Ebene mit dem grossen Denken kann man schon fast französisch nennen.
Tobias Langenegger hat bereits verkündet, dass eine neue Ära begonnen habe. Das lässt hoffen. Aktive Stadtgestaltung ist – nach den passiven Jahren – denkbar geworden. Hier liegt eine besondere Chance: Für die Arbeit an der baulichen Zukunft von Zürich, braucht es gleich starke Partner: eine kompetente und mit Konzepten und Visionen vorausschauende Stadt. Damit kann sie endlich gleich lange Spiesse im Umgang mit privaten Bauherrschaften entwickeln – mächtige Grossimmos (eine neue Kategorie von Bauträgern) eingeschlossen. Wie die europäische Geschichte – insbesondere Paris – zeigt, sind private Bauherren bereit, an einem überzeugenden Konzept teilzunehmen. Eine solche Partnerschaft heisst «Ordnen & Realisieren». Ein Zürcher Beispiel könnte das Geschäftshaus Metropol (1892) zu Zeiten von Stadtbaumeister Caspar Conrad Ulrich und Stadtingenieur Arnold Bürkli sein.
zuerivitruv als Rufer in der Wünste?!
Es ist zwar richtig, dass die neue Crew im Zürcher Stadtrat Hoffnung für eine lebenswerte Stadtentwicklung wach werden lässt – allerdings hat uns der abgetretene Stadtrat ein Kukusei hinterlassen – im kommenden September, bei der Abstimmung über die Hochhaus-Richtlinien, geht es leider nicht darum, wie sich die Stadt in den nächsten 25 Jahren entwickeln soll, sondern lediglich um eine Fortsetzung der überholten Vorstellung, mit dem „Bauen in die Höhe“ sei alles geregelt. Dabei wird weder an die inskünftigen Mietpreise, auch nicht an die ökologischen Kosten und schon gar nicht an Menschen und Familien gedacht, die da übereinander gestapelt werden sollen – einzig zugunsten einer hohen Rendite zugunsten der Investoren.