Wann kommt der längst fällige Paradigmenwechsel?

Einmal ganz künstlerisch und abgehoben: «achat8» hat ein Weichbild mit den Hardau-Türmen im Gegenlicht auf Instagram gepostet. «zuerivitruv» hat den Hügelzug unseres Gletschertals, der sich aus dem Häusermeer erhebt, blau akzentuiert und die Horizontlinie rot betont.

Auf dieser Grundlage können wir uns Gedanken darüber machen, ob es richtig ist, angesichts des längst fälligen Paradigmenwechsels im Planungs- und Bauwesen, mit disruptiven Türmen weiterzufahren.

Paradigma ist ein geltendes und oft angewendetes Bündel von Leitsätzen. Es kann   obsolet werden und ist in dem Falle durch neue Leitsätze zu ersetzen. «Zuerivitruv» wird darüber berichten.

Eignungstest

Ein leicht artikuliertes Häusermeer ist kennzeichnend für die europäische Stadt. Sie liegt natürlich in ihrer Landschaft – in Zürich besonders ausgeprägt in den Hügelzügen des Gletschertals. Die Artikulation – das Herausragen – steht den Gebäuden von öffentlicher Bedeutung zu. Besonders schön «sichtbar» in Paris mit der Notre Dame und dann dem Eiffelturm, dem Grand Palais und dem Centre Pompidou und der Bibliothèque Nationale. Das sind würdige Städtebauregeln einer Stadt, die sich auch lange nach den Königen (1792) und den Kaisern (1870) stets im Griff hat.

Ist es richtig, dass sich unsere Stadt im Glacier-Valley für einen Wildwuchs von kommerziellen Hochhäusern hingeben muss? Schreiben Sie Herrn Stadtrat André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements.

Der Stadthorizont geht alle etwas an

Wenn wir schon bei Placement-Türmen und unserer Stadtsilhouette sind: «zuerivitruv» hat das visuelle und damit verbunden das seelische Klima untersucht und im Bild zur Darstellung gebracht. Wie Sie sehen, sind die seit 2002 heranwachsenden Placement-Türme nicht harmlos. Wir werden (lebend) eingemauert. Die Vulcano-Türme in der linken Bildhälfte.

Ist es in unserem Sinn, die sanften Silhouetten, die Zürich mit seinem Gletschertal geboten werden,  zuzuklittern? Wollen wir Ameisen zwischen Wänden und Türmen werden und den weiten Himmel verlieren? «zuerivitruv» denkt: 

  • Wir haben ein besseres Schicksal verdient, 
  • Stadtbild ist Allgemeingut.

Zürich – eine Placement -Stadt?

Das letzte Posting zeigte verschiedene Herangehensweisen an die Bebauung und Verdichtung in der Stadt: Mit Würde und dem Mieter im Sinn einerseits und als eiskaltes Placement auf Kosten der Stadt anderseits. Vergessen zu sagen hat «zuerivitruv», dass es sich bei den drei schwarzen Türmen um das Placement «Vulcano» im Stadtquartier Altstetten handelt.

Mieter findet heutzutage jedes Objekt und fast zu jedem Preis. Diese «Nische» nutzt Vulcano geschickt – wenigstens für die Gegenwart. Dass unser Hochbaudepartement solche Projekte befürwortet, statt ablehnt, kann via Google (Vulcano) eingesehen werden. Die Direktorin des Amtes für Städtebau – unsere Stadtbaumeisterin – lobte die Bebauung! Wir erkennen, woran wir sind. Wir erkennen auch, dass wir in Zürich für einen vernünftigen Städtebau kämpfen müssen. Hat die Bürgerschaft das Baugeschick in der Hand, oder soll unsere Stadt zu einer behördlich geförderten Spielwiese für Placements verkommen?

In Klammer: Im Hochschulgebiet gelang es bekanntlich einer Bürgergruppe durch rechtliche Schritte eine 600 Meter lange Wand von 50 Meter hohen Bauten so zu zivilisieren, dass sie jetzt einigermassen in die Hanglage passt. Bei der konstanten Abwesenheit von städtebaulicher Kompetenz der kantonalen und der städtischen Behörden blieb nur die private Initiative. Darf die Bürgerschaft künftig auf seinen Gemeinderat hoffen? 

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Bauen mit Stolz oder nur Placement?

Bis zum 1. Weltkrieg war es in Zürich selbstverständlich, mit Stolz und Dekor zu bauen. Man kann sogar von einem Wettrennen um die Gunst der Mieter sprechen. Sehen Sie sich eines der vielen Beispiele an der Ottikerstrasse im Kreis 6 an (Bild links). Dichtes Wohnen, wohlverstanden.

Die ökonomischen Bedingungen änderten sich und die frühe Moderne produzierte mit dem Neubühl in Wollishofen und dichter mit dem Hohenbühl beim Kreuzplatz Musterbeispiele der Wohnlichkeit, auch für Familien.

Unsere Gegenwart stapelt Menschen in «Placements» in die Höhe. Das sind eiskalte Anlageplatzierungen für anonymes Grosskapital. Bevorzugt wird das Hochhaus zusammen mit Bausummen von über 100 Millionen Franken. Das Bauamt ist willfährig und bewilligt pünktlich. Wenn nötig mit einem Gestaltungsplan. Städtebauliche Überlegungen gibt es keine mehr.

Es ist vorstellbar, dass das Bauamt einer zivilisierten europäischen Stadt die Grossinvestoren im Interesse der Bürgerschaft lenkt. Das hat vor bald 170 Jahren Georges Eugène Haussmann in Paris begonnen und bewiesen: Mit klugen städtebaulichen Vorgaben und Bauregeln, die in der Anwendung über Jahrzehnte höchste Qualität erzeugten.

Zürich hat seit dem Erlass der Hochhauszonen 2002 ein «Stoppelfeld» produziert, das dem Charakter seines offenen Gletschertals zuwiderläuft. «zuerivitruv» meint: Städtebau und Architektur muss wieder gewinnen, damit die Kapitalinvestitionen zum Nutzen der Stadt platziert werden.

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Schulanfang 2

   « Schulanfang » 2

Was denkt die Mutter? Sie hat vor fast einem Jahr an einer Orientierungsveranstaltung im Kreis 5 teilgenommen und einen Tag darauf ihren Freunden diese Zeilen per Mail übermittelt:

«Die Veranstaltung gestern war grauselig. Das Amt für Städtebau hat über irgendwelche Paragraphen und der Untergebene von Frau Gügler über Qualitäten einer Überbauung mit Ausnützungsziffer 450% geplaudert. Wir müssen uns wirklich laut wehren, damit Hochhäuser und eine unmenschliche Verdichtung nicht zum Regelfall werden.»

Bild: klimazuerich + Collage
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Schulanfang

«Ich gehe jetzt in die 1. Klasse.

Wenn es so weitergeht mit Zürich, sehe ich ja bald den Uetliberg nicht mehr.»

Solche Gedanken könnte dieser Schulbub haben. Wenn es nur das Lochergut (im Hintergrund rechts der Mitte) wäre, vielleicht noch der Prime Tower als Einzelmonument. Doch wissen wir längst, dass wir uns in einem Wildwuchs befinden. Der nächste Turm neben dem Prime-Tower folgt, denn der Grossinvestor hat einen Architekturwettbewerb veranstaltet und entschieden. Die Kulissen werden sich schliessen – Vorhang zu – Ende der Landschaftsvorstellung.

Bild: klimazuerich

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Begehrte heisse Lärmlage

Stadt und private Bauherren haben die heisse Küste «entdeckt». Die 40° C-Zone von Zürich. Nämlich das Gleisfeld an seiner breitesten Stelle. Es ist wahre Spekulation, wenn angenommen wird, dass Mieterschaften dem Lärm und der Hitze auf die Dauer widerstehen. 

Wie konnte es soweit kommen?:

Seit 2002, dem Erlass von Hochhauszonen, hat in Zürich eine Hochhausbesessenheit Behörden und gewisse Bauherrschaften erfasst. Die verlangten Eignungskriterien sind – wie diese Besetzung der Ränder des grössten Hitzefeldes u.a. zeigt – kaum je erfüllt worden. Mit der Bebauung «Letzi Turm» (Bild) möbliert bereits das dritte Wohnsiloprojekt in einer Reihe das Gleisfeld. 

«Städtebaulicher Akzent» nennt es die Bauherrschaft. Inzwischen wissen wir alle, dass Gefahr droht, wenn in Zürich von «Akzent» gesprochen wird. Wie lange noch lässt sich die Bevölkerung von «Akzenten» einmauern? 

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