Im Bild oben links die Place Royale – heute Place des Vosges – bei ihrer Einweihung 1612. Wieder Henri IV veranlasste den Bau inmitten des entsumpften Marais. Etwa 50 Häuser definieren ein Geviert von 140 x 140 Metern. Im Unterschied zu allen Hofrandbebauungen, die wir bisher gesehen haben, ist hier der zentrale öffentliche Raum generierend, nicht ein umlaufendes Strassengeviert. Stattdessen finden sich den Häusern zugeordnete Hinterhöfe, die dann in das später zugewachsene Stadtgewebe übergehen. Es ist eine bewusste Setzung von Henri IV, der sich hier als Stadtplaner betätigt: Die Platzanlage als Anstossgeste zu einem neuen Stadtteil. Ein Jahrhundert später begann der Adel in der Marais seine Hotels Particuliers zu errichten, die inzwischen alle dem Staat gehören. Eines davon wurde zum Musée Picasso. Und der Platz selbst bewährt sich als urbaner Lebensraum (oben rechts).
Für unser heutiges Zürich können wir daraus Folgendes herausnehmen: Eine Stadt gewinnt, wenn sie aktiv Städtebau betreibt, was in der Ära Odermatt und schon vorher nicht der Fall war. Die Stadt liess sich u.a. von Hochhausprojekten der Grossimmos treiben und sieht heute dementsprechend aus: Es dominiert das zürcher Stoppelfeld, das niemanden begeistert. Die Place des Vosges kann Anstoss für die neue Legislatur sein. Aktive stadträumliche Gestaltung muss ihr Thema werden, denn wir wollen eine schöne und lebenswerte Stadt. Prof. Jürg Sulzer, Experte für Städtebau, gab am 18. Mai 2025 in der NZZ am Sonntag seinem Artikel den vielsagenden Titel «Auch Zürich hat ein Anrecht auf guten Städtebau».