Zürich – London

Einst pilgerten junge Architekten aus der ganzen Welt nach London um die städtebaulich-architektonischen Aktionen des Greater London Council zu sehen. Dessen Chefarchitekt Hubert Bennett erhielt eine grosse Zahl von Gesuchen um Mitarbeit. «zuerivitruv» erwarb 1969 einen schweren Foliaten mit dem Titel: «Greater London Development Plan – Report of Studies». Daraus das Foto mit dem Titel “Factors of character in central London». Wir sehen ganze Abfolgen von Park- und Strassenfassaden. Das sind solide Grundlagen für städtebauliche Wertungen, die weiterführen und der Öffentlichkeit vermittelt werden können. Gut gemacht, ver-wundern sie zuerst, und werden später be-wundert. Sie werden zur Basis für die nächsten grossen Schritte. Ein solcher Überblick ist uns nach den Wahlen zu wünschen. Wer will, kann dann in Zukunft dabei sein. Das Denken über unsere Stadt wird dann in Fahrt kommen. 

GLC und alles Drum und Dran wurde in der Ära von Margaret Thatcher zerschlagen. Wir kennen den hässlichen Wildwuchs von London mitte-ost um die Kathedrale St. Paul. London hat den Ruf, eine schöne Stadt zu sein, verloren. Daran kann man die Frage studieren, ob es richtig ist, auch im Städtebau zu deregulieren. Das wären dann die viel zu grossen Hochhausgebiete von Zürich. Das kann bis zu den individuellen Gefühlen gehen – dem Aufkommen von Zynismus. Suchen Sie die Abschiedsrede von Anne Hidalgo (Instagram / auf dem roten Sofa sitzend), der Stadtpräsidentin von Paris 2012-26. Eine ganz andere Welt.

Nicht geglückt

So sieht eine Stadtplanung nicht aus. Es gibt sie seit Jahrzehnten in Zürich auch nicht. Der Erlass von Hochhausgebieten allein macht noch keine Stadtplanung. Besonders dann nicht, wenn die Gebiete über die halbe Stadt verstreut sind und wenn Hochhauszonen auch am Südufer der Limmat auftreten und diese in Richtung Schattenkanal lenken. Die Limmat ist ein prädestinierter Freizeitbereich für das neugeformte Zürich West, das sich seit 35 Jahren von der Industriezone zum vielfältigen Stadtquartier entwickelt. Doch keine Amtsstelle befasst sich mit der Zukunft des Limmatraums. Im Gegenteil: kürzlich entstanden die schon oft erwähnten Türme der Siedlung Depot Hard, die den Fluss und sogar den Wipkingerpark beschatten. Wenn in der nächsten Legislatur keine Korrektur kommt, wird unser Fluss definitiv und permanent vom Industrie- zum Schattenkanal mutieren.

Die Bildbetrachtung von Zürich West (Bild: Rahel Zuber, Tages-Anzeiger) führt uns vor, was passiert, wenn Hochhauszonen zu gross angelegt werden. Es ist das bekannte hässliche «Stoppelfeld» entstanden. Ohne weiter ins Detail zu gehen: es entsteht bei uns das innere Bild von Unordnung. Das ist eines der Resultate der in Zürich fehlenden Stadtplanung. Keine Gruppierung der Hochhäuser und auch kein Verzicht auf solche verbunden mit verdichtetem urbanem Flachbau wurde je diskutiert.

Die mit durch die äusseren Umstände von Energie/Klima/CO2 geänderten Paradigmen verlangen andere Regelungen und eine – wie im letzten Posting erwähnt – völlig neue Synthese. Im selben Moment stehen in Zürich die Wahlen an. Hoffnung weckt der Umstand, dass in den für uns wichtigen beiden Departementen (Präsidium und Hochbau) die Stadträte neu gewählt werden.