Wir kommen nicht darum herum, auf der klimagerechten Spur weiterzufahren. Das heisst, laufend Emissionen reduzieren, aber auch das Auffangen der bereits eingetretenen Erwärmung in der Stadt. «zuerivitruv» setzt auf kluge Optimierung der Lebensart. Wieder in obiger Aufteilung bedeutet das «all business is local» – im Quartier einkaufen. Es gibt bereits «Migrolinos», die sich zu den schon bestehenden Auslagen für Gemüse und Früchte gesellen. Mit fussläufiger Erreichbarkeit entfällt der Motor. Die Fahrt ins Verkehrsgewühl der Einkaufszentren im Glattal ist nicht mehr Teil des Lebens und die Verwurzelung im Quartier wird besser.
Der andere Zweig, das Auffangen der Erwärmung, heisst Orte der Stadt klimatisch verbessern und neue schaffen. Z.B. wartet das überbreite Trottoir entlang der Rämistrasse (unsere Ringstrasse) seit der Fertigstellung des steinernen Chipperfield-Baus auf den Schatten von Alleebäumen. Die europäischen Städte haben aus der Zeit der Befestigungsanlagen Ringstrassen mit Alleen geschaffen. Das soeben Gesagte ruft nach einem Konzept für Baumpflanzungen. Macht man Gewässer zugänglich, kommt bewegte Luft. Weil die Stadt (!!!) und die meisten politischen Parteien im letzten Jahr die Uferschutzinitiative bekämpft haben, ist der Limmatraum momentan ohne Perspektive.
Würde man auf die weitere Wuhanisierung mit Hochhäusern verzichten, könnten sich die im Zürcher Sommer stets spärlichen Lüfte ebenmässig überallhin verteilen. Ist der Strassenraum mit tiefwurzelnden Grossbäumen versehen und bilden diese zusammen mit ähnlich hohen Gebäuden ein Stadtgewebe, erhielten wir einen resilienten Stadtkörper. Klar ist auch, dass solch umfassende Ziele mit Amtsverzettelung nicht zu erreichen sind. Es braucht dazu «Volonté Générale» im Stadtrat. «zuerivitruv» sieht diese Zeilen als Anregung für die nächsten 20 Jahre.
Schön wäre es ja, wenn der Stadtrat „zuerivitruv“ ansehen und beherzigen würde… wobei, er müsste nicht einmal bis Wuhan schauen, nur die NZZ lesen, dort war am Samstag, 26. Juli ein ganzseitiger Bericht zur „Vertikalisierung“ von Mailand, das heisst riesige Investitionen in Hochhäuser bei „vereinfachten Bewilligungsverfahren“ (so wie e bei uns der HEV und die FDP fordern) – mit dem Resultat: „Wohnungen sind bis in den Mittelstand hinein unerschwinglich geworden“. Und fragt: „Was für eine Stadt wollen wir sein? Eine für alle oder nur für wenige?“
Und Professor Lampugnani kommentiert: Alles nur Stückwerk, auf den schnellen Effekt ausgerichtet. „Mailand hat seit 1926 nie mehr eine anspruchsvolle städtebauliche Vision für sich entwickelt“. . . Und Zürich?
Beim Chipperfield-Bau werden nie Bäume gepflanzt werden. Wer genau auf die weissen Bodenmarkierungen schaut, erahnt, was das TAZ und die VBZ vorhaben: Beim neuen Kunsthaus auf der Rämistrasse werden zukünftig die Trams halten. Die Strasse wird beidseitig grosszügig verbreitert, mit Aufhebung aller Parkplätze, und kommt nahe an den Chipperfield heran. Übrigens: Der ganze Heimplatz mit allen Seitenarmen in alle Richtungen wird komplett umgepflügt (mit Millionen und mit mehrmonatiger Grossbaustelle). alles für ein paar idealere Haltestellen und ein paar wenige Bäume mehr. Dem Rausch der VBZ- und TAZ-Ingenieure sind keine Grenzen gesetzt in Zürich.