Als schon zwischen den Kriegen der Verkehr zu brausen begann, kamen die runden Ecken. Diejenigen der Sihlporte errangen mit den Rundungen des Schmid- und des Handelshofs Lob aus Berlin: Die Zürcher seien fortschrittlich, weil sie die Gebäudeform dem aufkommenden Verkehr anpassten. Durch Wachstum entstanden Aussenquartiere. Die Trassen von Tram und Automobil verlangten eine Dynamisierung der Stadt. Am Schaffhauserplatz finden wir acht gerundete Ecken und Farbtöne an den Fassaden. Vor hundert Jahren war Sichtbackstein bereits verschwunden – Verputz fand grosse Verbreitung und damit auch dessen Farbanstrich. Die feine und etagenweise Aufhellung des Orangetons eines der Ankerbauten des Platzes macht diesen unvergesslich.
Dass Farbkompetenz bei der Bewilligung von Renovationen nötig ist, zeigt der unpassend graue Rundbau im Hintergrund des Bildes oben links. Vor der Renovation passte er mit seinem Gelborange bestens ins Farbkonzert am Platz, nun ist er darin mit seinem Grau ein Fremdkörper. Wir sehen auch weiss umrandete Fensteröffnungen als Vortäuschung von Fenstergewänden. Zuvor gab es nur den Gebäudekubus mit den Fensternischen. Vier Postings zurück finden wir mit Herbert Mätzener eine Person im Hochbauamt, die mit wissendem Auge bei der Farbgebung helfen konnte. Der Schaffhauserplatz zeigt uns, dass Farbe mit Kenntnis anzuwenden ist und dass diese Kenntnis als Teil der lokalen Baukultur irgendwo installiert sein sollte, denn der öffentliche Raum ist das Wohnzimmer der Bevölkerung.