«zuerivitruv» dachte, das Thema «Farbe» mit dem Ferienende abzuschliessen. Doch auf seinem Bildschirm warten noch zu viele interessante Kandidaten. Z.B. der frühe Genossenschaftsbau und ein Besuch im Quartier Garbatella in Rom. Auch «Holz» als neues Material in der Stadt erheischt Aufmerksamkeit.
Zum Genossenschaftsbau: Der Bauvorstand und spätere Stadtpräsident Emil Klöti förderte den bezahlbaren Wohnungsbau. (Das unterscheidet sich übrigens von der heutigen städtischen Förderung, die sich weitgehend auf den nicht mehr bezahlbaren Hochhaus-Städtebau verlegt hat).
Wir sehen den renovierten ochsenblutfarbenen «Roten Block», der einen Zwickel der auf den Röntgenplatz zulaufenden Strahlenstrassen füllt. Wir kennen ihn schon als Musterbeispiel für Verdichtung innerhalb von Blockrandbebauung (27.12.23 / 26.1.24 und 2. und 9.2.25).
Rechts daneben sein Kollege in einem etwas freundlicheren Rot. Seine Fassade ist äusserst gekonnt mit einem warmgrauen Sockel, ebensolchen Fenstergewänden und hellblauen Läden kontrastiert. Zürich wäre eine andere Stadt, wenn überall solches Talent spriessen würde. Im Detail sehen wir im unteren Bild auch den Hauseingang in dieser gekonnten Farbensprache. Hier kommen noch feine Holzrahmen ins Spiel.
Zwischen zwei weiteren Strassenstrahlen sehen wir, wie angesichts der «grauen Sauce» des Blocks die «Moral» richtiggehend zusammenfällt. Man fürchtet die Novembertage. «zuerivitruv» kommt zum Schluss, dass Farbe Bedeutung hat und städtischen Kontext sogar mehr Gewicht erringen kann als die Architektur selbst.
Gerne ergänze ich die Farbgeschichte zu frühen Genossenschaftsbauten mit der Sidlungsgenossenschaft Freidorf von 1919. Auch diese 150 Reihen- und Doppeleinfamilienhäuser sowie „der Tempel der Gemeinschaft“, das Gemeinschaftshaus samt Schule, Seminar, Versammlungssaal mit Bühne und Konferenzräumen, Laden, Restaurant, Kegelbahn und Wäscherei im Zentrum, waren ursprünglich tief rot. In den 70er Jahren wurden die dann – ehrliches Abbild der Verkleinbürgerlichung – altsosa eingefärbt. Ich besitze die höchstwahrscheinlich einzige Bodenpreiskarte, welche es in der Schweiz je gab – hergestellt 1936 unter Emil Klöti. Gerne stelle ich ein Bild zu mit der Anschrift an: info@schulbau.org
Hier noch die Webseite zur Freidorfgeschichte. Mit „Frei“ war schuldenfrei gemeint. Mehr zur radikalen Idee der Schuldenfreiheit einer Genossenschaftssiedlung und dem Wiederaufgreifen in gewandelter Form findet ihr unter der Webseite: http://www.freidorf.reloaded.ch