Zu gross, zu grau, zu anonym

Bleiben wir noch ein wenig beim Protest gegen diese grauen Monolithen – wie sie auf tsüri / Verkehrswende-Kolumne geheissen haben. Zwei Betonburgen sind genannt: die Türme der Wohnsiedlung «Depot Hard» zwischen Autobahnzubringer und Limmat und «Letzi» zwischen dem Gleisfeld und der Hohlstrasse. In den Türmen von Depot Hard werden 200 Kinder erwartet und der mäanderförmige Achtstöcker der Bebauung Letzi dient der Unterbringung von kinderreichen Familien. Sein stadtseitiger Abschluss mit einem Hochhaus beherbergt Senioren. 

Diese Baumassen kennen nur die Farbe Grau und das Material Beton. Wir gehen hier so stark ins Detail, weil diese Bauten die Spitze der gegenwärtigen Baukultur der Stadt Zürich verkörpern. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass hier kein «kalter Grossinvestor» kritisiert werden kann. Es ist die Stadt Zürich selbst, die die beiden Architekturwettbewerbe veranstaltet und durch das Raumprogramm die überdimensionierten Klumpen in die Welt gesetzt hat. Damit zwingend verbunden die Stapelung von Menschen in Silos. Die Übergrösse der Klötze stört das Stadtbild und verletzt den Massstab der Strasse. Die Monotonie macht das Trottoir zur Durststrecke, statt mit vielen Bauten zu unterhalten. Man kann das nur als «disruptiv» auf mehreren Ebenen gleichzeitig sehen. Für eine europäische Stadt ist das Gift, für eine chinesische Schnellaufbaustadt nicht.

Lehnen wir zurück: Hier werden im ganz grossen Massstab Lebenssituationen aufgezwungen. Nicht anders als in den schon im 20. Jahrhundert beklagten und gescheiterten Grosssiedlungen von Berlin, Paris oder Glasgow. Damit sei hier bekanntgemacht, dass in einigen Abteilungen der Stadtverwaltung nach den Wahlen «das Oberstübchen neu vermessen» werden muss und dass die neue Administration nach jahrzehntelangem Unterbruch wieder einmal eine Stadtplanung einrichten könnte.

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