Wir könnten einen Historiker mit der Frage beauftragen, in welchen Epochen Zürich neben allem anderen eine gute und schöne Stadt sein wollte. Schon jetzt können wir garantieren, dass das in der Belle Epoque, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, der Fall war. Fast aus dem Nichts entwickelte sich die Palastbautradition von Zürich mit dem Metropol, dem Roten Schloss, der unteren Rämistrasse etc. Der Bevölkerung wurden grossartige Quaianlagen zur Verfügung gestellt. Weiter der Fall war das zur Amtszeit von Stadtrat und Stadtpräsident Emil Klöti. Er wollte, dass im Wachstum das Talbecken der Limmat, das untere Seebecken, die Stadt und die Höhenzüge von Uetli- und Zürichberg mit der Natur im Einklang seien. Gleichzeitig löste er das Wohnungsproblem in der damals stark wachsenden Stadt. Für sein umfassendes Werk wurde er 1930 mit dem Ehrendoktor der ETH ausgezeichnet.
Heute geht es um ein anderes Wachstum: Die Verdichtung innerhalb des Stadtgewebes. Und die Schönheit und der damit verbundene Stolz? – sind sie vergessen gegangen? Verdichtung ist nicht harmlos. Wie sie geschehen soll, müsste längst Diskussionsgegenstand sein; ausgehend vom Stadtrat, den Fachgremien bis zur Presse: Es ist das Thema der Gegenwart!
Doch Zürich schweigt und würgt und wählt. Thema sind einzig die Mieten, was berechtigt ist. Was dann aber für 100 oder mehr Jahre an Bausubstanz steht und damit unseren Lebensraum prägt, findet keine Erwähnung. Das gibt Zeugnis davon, dass «die schöne und angenehme Stadt» noch nicht auf dem Programm steht.
Jede weitere seelenlose Siedlung ist zuviel! Wir müssen unser Zürcher Stadtgewebe aktiv und mit Können verdichten. Bezahlbare Mietzinse sind von mehreren eines der wichtigen Themen. Es darf nicht nur – wie z.B. mit den Tamdepot-Hochhäusern – stadtschädliche Masse aufgetürmt werden. Jeder Bau, jede Siedlung soll ein Beitrag zur Stadt sein. Wir wachsen gerne «schön & angenehm».