Dass «Haussmann-Paris», das ja bereits 1853 startete, auf Zürich wirkte, ist wahrscheinlich. Jedenfalls bietet der Kappelerhof auf Seiten der Dreikönigsstrasse interessante und ausdrucksstarke Ansichten. Drei Gebäude unterschiedlicher Architektur bestreiten diese Seite des Blocks. Alle weisen eine zweistöckige Sockelzone mit Erd- und Mezzaningeschoss auf. Jedes auf seine Weise. Das gibt den Strassenfassaden eine interessante Höhenteiligkeit: 2 Etagen für Handel + 3 für Wohnen + 1 als Attika. Auf Seite der Fraumünsterstrasse bildet der «Löwensteig» die Ecke des Baublocks und an der Bahnhofstrasse, der Lage entsprechend, mit den hohen Bögen prominenter, der «Gryffenberg».
Bemerkenswert ist der Hof, der mit zweistöckigen Arkaden auch das Innenleben in Schwung bringen will. Jede der vier Seiten steuert einen Zugang bei. Das ist das sehr urbane «Sowohl-als-auch»: Jede Parzelle/Eigentum/Architektur steht zwar für sich, doch bilden sie gemeinsam die Gesamtform mit den Durchgängen zu den umliegenden Strassen. Wir ahnen: wenn es mehrschichtig ist – wenn mehrere Bauherren dieselbe Grossform tragen – entsteht Mehrwert für Stadt und Eigentümer. Dann trägt wertvolle Architektur die Stadt. Eine Frage von heutiger Aktualität: Gab es einen Stadtbaumeister als Dirigent oder Motivator? War es guter Wille oder Bildung der Bauherren und Architekten anlässlich der Parzellierung? War es ein Geist, der damals die Stadt erfasst hatte? Eine Frage für das Baugeschichtliche Archiv der Stadt Zürich.