Blockrand als „common ground“ – 1900/1984

Nach Jahrzehnten von «fizzi modernisme», der sich in der Regel wenig um bestehendes Stadtgewebe (Europas) kümmerte, machte der Manessehof, entworfen von den Architekten Marbach & Rüegg im Auftrag der Familienheimgenossenschaft, in der Schweiz Furore. Es war 1984 (!) eine Rückkehr zum klassischen Städtebau, doch in zeitgemässer Baukonstruktion. 

Der Axonometrie entnehmen wir die Vervollständigung des um 1900 entstandenen Blockrand-Dreiecks «wie, wenn nichts geschehen wäre». Der Plan des 1. Obergeschosses zeigt die durch Laubengänge ermöglichten lärmabgewendeten Wohn- und Schlafräume. Vorgelagert sind Gartensitzplätze und durch Hecken getrennt, eine Terrasse für alle Mieter. Eine Treppe führt hinunter zum Innenhof, der «1900 + 1984» vereinigt. Das ist gebaute Soziologie des Wohnens.

Bis dahin liegt die architektonische Akrobatik bereits weit über dem landesüblichen Durchschnitt. Dazu kommt noch eine Coop-Filiale unter der halbkreisförmigen Terrasse. Nicht zu vergessen die Arkade, welche die Uetlibergstrasse begleitet. Der Manessehof demonstriert, wie engagierte, ehrgeizige und fähige Architekten zusätzliche Werte schaffen. Der Erfolg der Bebauung verdankt sich der klugen Einfügung in die Stadtstruktur, was deren Wahrnehmung und Interpretation voraussetzte. Das ist Achtung vor dem Bisherigen und dessen intelligente Ergänzung, von der auch die Stadt profitiert. Wollen wir uns zum Schluss noch fragen, ob dieses Wohlwollen gegenüber Stadt und Mietern eine Genossenschaft braucht, oder auch bei privaten Bauherren denkbar ist?

Bilder: GTA-Archiv (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur ETH)