Virtuos im Blockrandgebiet

Da es noch einiges zu sagen gibt, kommt das Metropol zu einem zweiten Posting. Bisher ging es darum, wie das Metropol den hohen Rang im Stadtgewebe errungen hat. Jetzt sehen wir uns zuerst einmal die Solidität des kommerziellen Konzepts an: Fünf Treppenhäuser erlauben es, 1 Abschnitt, oder bis zu deren 4 zu mieten. Im Erdgeschoss wurde für ein Geschäft zusätzlich zur Ladenfront ein darüberliegendes Mezzaningeschoss möglich. Dort, wo das Gebäude in Richtung See eine Arkade anbietet, ist diese zweistöckig. Wer sich an die Kopieranstalt «Fotoplast» auf der Seite der Fraumünsterstrasse gegen das letzte Jahrhundert erinnert, konnte noch den Werkstattbesuch im Mezzanin erleben, und von dort von oben herab den Einblick in die Arkade. Ein grossartiges Erlebnis, das dem Haus «Seele» gibt. Beim Kappelerhof, zwei Postings zurück, konnten wir schon auf eine andere Art interessante Komplexität feststellen, die der Stadt Mehrwert bringt. Der Architekt Heinrich Ernst hat alles zusammen gross gedacht. Er sei an der ETH der talentierteste Schüler von Gottfried Semper gewesen, um 1860 einem der besten Architekten nördlich der Alpen. Ernst hatte das Talent, aus allem etwas Brillantes zu machen: Das Rote Schloss und die grossartigen Rämistrassehäuser, wo er die lange Hauszeile auf Seite Altstadt als «Stützmauer» des Hangs ausbildete. 

Eine Bayerische Bierstube und ein Café wirkten nach aussen zu den Trottoirs hin und ein überhohes Restaurant möblierte den Innenhof. Dieser wäre bei 6 Etagen auf Strassenniveau unten zu eng geworden. Daraus können wir eine komplexe in jeder Hinsicht durchoptimierte «Maschine» erkennen. Nach der vorletzten Jahrhundertwende liess mit den zwei grossen Kriegen wahrscheinlich Konjunkturpech das aufwendige Metropol zurückfallen. Es wurde verspekuliert und schlussendlich von der Stadt aufgekauft und inzwischen mehrfach vorbildlich renoviert.

Perle im Blockrandgebiet

Das «Metropol», 1892 erstellt, weist als Skelettbau einen für die damalige Zeit erstaunlichen Fensteranteil von etwa 80% auf, die rechts angrenzende (ehemalige) Fraumünsterpost von lediglich 20%. Die Post erinnert mit ihren schweren Mauern an die dem Mittelalter entronnenen florentinischen Paläste der Frührenaissance. Erstaunlicherweise ist die Post 6 Jahre jünger als das Metropol, das Ungesehenes in jeder Beziehung nach Zürich brachte. Es sind Welten, die gemeinsam einen Strassenblock bilden.  

Mit dem Metropol erhielt Zürich das erste reine Geschäftshaus. Auch das Geschenk an das Stadtbild mit der interessanten Höhenteiligkeit der Fassade und deren Bekrönung mit den Rokoko-Türmen ist gross. Von unten nach oben: das Doppelpaket von Erdgeschoss plus Mezzanin, dann die drei Büroetagen mit Erkern oder Balkonen und als oberen Abschluss ein Dachgeschoss mit den Rokoko-Türmen. Die lebhafte Dachsilhouette sorgt für die Fernwirkung des Gebäudes und bereichert das Stadtbild. Dank der Abschrägungen der Erker, gibt es immer Fenster, die spiegeln. Auf dem Foto (SPPA Architekten) deutet die spiegelnde Seeseite der Erker auf eine Morgenstunde.

Der bekannte Architekt der Renaissance Andrea Palladio (1508-80) wäre erfreut, denn seine Forderung an ein Gebäue, es müsse «ornamento alla città» sein, ist mehr als erfüllt. Wir küren das Metropol zur Perle der Zürcher Blockrandbauten.