Drei Jahre „zuerivitruv“

«zuerivitruv» dankt allen die abonnieren und lesen herzlich für die geschätzte Aufmerksamkeit. Im August 2021 ist zuerivitruv einfach einmal aus Überzeugung der Notwendigkeit «dreingeschossen». Doch die städtebaulichen Fragen in unserer Stadt dauern an und die Themen gehen nicht aus. Nicht zuletzt, weil wir neben den alten von neuen Fragestellungen bedrängt werden. Darunter die inzwischen notwendig gewordene Umstellung der Stadt auf die Klimawende. Es genügt nicht mehr, nur ans Jetzt zu denken, wir sind aufgefordert uns eine Zukunft auszumalen. Das macht «zuerivitruv» zu einer Diskussionsplattform. «zuerivitruv» möchte dazu beitragen, den Städtebau neu auszurichten und sieht darin eine schöne und interessante Aufgabe für alle: die Bevölkerung, die Privatwirtschaft, den Gemeinderat und die Regierung unserer Stadt. Mit Talent ist eine schöne und angenehme Stadt zu gewinnen, die am Bisherigen klimagerecht und nach humanistischen Grundsätzen weiterbaut. Der grosse Europäer Jan Gehl: “You get in each city what you invite for”.

Zur Erinnerung: Vitruv verfasste vor 2000 Jahren seine zehn Bücher über Architektur. Städtebau hatte darin grundlegende Bedeutung: Zuerst der Städtebau, erst dann die Architektur. 

Bild: Paul Klee – Haupt- und Nebenwege

Städtebaulicher Kulturkampf in der Schweiz?

Nach der urbanen Flachbau-Perle «Casa Milà» der Grossstadt Barcelona müssen wir uns zwischendurch auch einmal mit der Frage auseinandersetzen, ob in der Schweiz gerade ein städtebaulicher Kulturkampf woge. Ein früherer Regierungsrat des Kantons Zürich sagte aus: «Was nicht messbar ist, gibt es nicht». In diesem technokratischen Sinn wird z.T. die Verdichtungsfrage angegangen. Die obigen Bilder sind der Website von «Resilientsy» entnommen. Die Sprache aus den Bildern ist klar: das Hochhaus soll das Heilmittel sein. Die Verfasserin, Stadtökonomin Dr. Sibylle Wälty, propagiert diese Medizin seit längerem. 

Die Qualität unseres Lebensraums ist infrage gestellt und wir – Bewohner und Humanisten im Städtebau – können dankbar sein, dass es das hier schon oft zitierte wissenschaftliche Papier «Decoupling Density from Tallness …» der Universitäten Cambridge (UK) und Boulder Colorado (USA) gibt, dass die Schriften des Städtebauexperten Jan Gehl seit langem vorliegen und dass es in Zürich die «asaz-arch.ch» gibt und auch «zuerivitruv». Wie der Kampf in der neu gegründeten Vereinigung für Städtebau «URBANISTICA» ausgeht, ist noch nicht entschieden. Am konkretesten gegen die Notwendigkeit des Hochhauses in unseren europäischen Gefielden spricht die Tatsache, dass Zürich erst einen Viertel der Dichte der flachen Städte Paris und Barcelona erreicht hat.  

Casa Milà

Sechs Postings zurück hörten wir vom urbanen Quadratraster Barcelonas aus dem Jahr 1860. Im letzten Posting ging es darum, dass sich Zürich aus Klimagründen von den Investorenzwängen (Hochhaus) löst und auf den dichten urbanen Flachbau umstellt. Hier ein Beispiel, wie sich in der wohl dichtesten Stadt Europas Beeindruckendes machen lässt, wenn die städtebaulichen Regeln (Baulinien / Höhenbeschränkung) einmal klar sind. Vernünftige Städtebauregeln können einen guten Nährboden für die Entfaltung der urbanen Fantasie bieten.

Im Rand eines der Gevierte («Illa» = Insel) erwarb die Familie Milà eine Parzelle und beauftragte Antoni Gaudi mit einem Wohnhaus. Was er 1912 aus dem Auftrag machte, ist längst weltbekannt. Nicht nur die undulierende Fassade und die bewegte Dachlandschaft geriet exaltiert, die Grundrisse waren fliessend und im Untergeschoss wartete schon damals eine kreisförmige Tiefgarage. 

Die Stiftung der Caixa de Catalunya (die ZKB von Katalonien) hat die Liegenschaft übernommen, renoviert und macht eine Wohnung, den Estrich und die ganze Dachterrasse dem Publikum zugänglich (Weltkulturerbe seit 1984).

Bilder: Casa Milà als Teil einer Barceloneser «Illa»