Blockrand: Japonismus im Richti-Areal

Die schlichten langen Aussenfassaden des im letzten Posting vorgestellten Konradhofes sagen uns, dass Architektur nicht lärmig sein muss. Gehen wir in den nächsten Hof, der in Verbindung mit dem Allianz-Hochhaus steht, überrascht uns die abstrakte Ästhetik eines «Japonismus». Alles ist Glas, in strikt schwarz-weisser Marmorimitation bedruckt – die Deckenuntersichten der Gebäudevorsprünge nicht ausgenommen. Schon etwas schwarz-weiss abstrahiert, kommen im Innenhof noch dunkelrote japanische Ahornbüsche dazu. Das Theater hat begonnen, wir spüren die Handschrift des Regisseurs, dem Architekten Wiel Arets aus den Niederlanden. Ganz fein fügt sich das dunkle Rot ein und trägt uns weg. Auf der Rückseite – zum Glattzentrum hin – schlägt uns dann mit Autobahnspaghetti in der Luft amerikanische Autowelt entgegen.

Mit Büronutzung ist eine solche Inszenierung zu machen. Dass sie gemacht wird, ist mutig, realistisch und bringt dem Richti-Areal Einmaligkeit. Es zupft an der Seele. Alles Erlebnisse, die berühren, aber fern von Disneyland in der Höhe bleiben. Dabei muss noch ein wesentlicher Rest erklärt werden: Die äusseren rahmenförmig bedruckten Gläser sind mit silbern wärmereflektierenden Vorhängen hinterlegt. Dann folgt die innere Scheibe zu den Büros.

Bleiben wir in der Höhe und sehen wir auch, was dieser «Missing Link» zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum für Wallisellen und die Agglomeration von Zürich bedeutet. Nach der damals bewussten Beherbergung des Glattzentrums, das mit allen umliegenden Gemeinden und deren Läden Havoc machte, kommt mit der stringenten Beplanung des Richti-Areals eine Wende. Es ist zu einem gewichtigen Beispiel für die dringend benötigte Urbanisierung in den Gemeinden ausserhalb der Stadt Zürich geworden.

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