Blockrand inmitten der Seine

Das Thema «Blockrand» scheint unerschöpflich zu sein – hier sehen Sie schon das 20. Posting. Es muss seine innere Logik haben, dass – besonders in Europa – so vieles über dieses Baumuster gelöst wurde und zunehmend wieder wird. Was in diesem europäischen Lebensfluss stört ist das vorwiegend durch Grossimmos erzwungene und in unseren Städten disruptiv wirkende Hochhaus. Dieser neuen Art von Playern geht es um Rendite und um die Platzierung möglichst grosser Summen von Investitionskapital (sog. «Placements»). Nur starken und qualifizierten Behörden gelingt es, diese Kapitalströme zum Nutzen der Stadt zu lenken. 

Der französische König Henri IV vollendete um 1600 den schon vor ihm begonnenen «Pont Neuf» und damit auch die Komposition der dreieckigen Place Dauphine an der Spitze der Seine-Insel. Zu ähnlicher Zeit liess er die quadratische Place des Vosges im Marais erstellen. Ebenfalls als Wohnanlage und in Blockrand-Typologie.

Heute – 400 Jahre später – beherbergen die beiden inzwischen aufgestockten Hausreihen in den Obergeschossen weiterhin Wohnungen und in den Erdgeschossen meist Restaurants, die im Sommer die Ränder des dreieckigen und baumbestandenen Kiesplatzes beleben. Die Blockrandbebauung wird zusammen mit dem Platzraum als Ganzes gesehen. Indem die Bebauung an der Spitze nicht geschlossen ist «spricht» sie auch noch mit dem Pont Neuf und dem Reiterstandbild von Henri IV auf dem mächtigen Podest, das in der Seine steht. Das sind gesamtheitliche und allumfassende Gedanken, die sich gegenseitig stützen, aufschaukeln und den Ort zur Blüte bringen. Die Rolle des Dirigenten würde im heutigen Zürich dem Stadtbaumeister oder dem Vorsteher des Hochbaudepartements zufallen. 

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