Wo ist das Stadtbild? Kein Gesetz?

Wenden wir uns doch nach dem Bellevue wieder den grossen neuen Stadtteilen zu. Seit 2001 darf dort hochgeschossen werden. Es müsse aber städtebaulich begründet sein. Wie wir heute alle sehen, ist das nie eingefordert worden. Noch immer kann sich jeder Bauherr irgendwo über den Stadthorizont erheben. Nicht einmal die gesetzliche 80m-Limite hielt dicht. Der Prime Tower überschiesst um 46m und die Fussballtürme am Hardturm sollen 137m erreichen. Und auch von einer Gruppierung ist keine Spur sichtbar. Darum hat sich der Ausdruck «Stoppelfeld von Zürich» eingebürgert.

« Hors contrôle ! »

«zuerivitruv fragt: bist Du / sind Sie damit einverstanden?
«zuerivitruv» fragt: sind alle 9 Stadträte und Stadträtinnen damit einverstanden?

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Bellevue: wenig Aufwand grosse Wirkung

“zuerivitruv” hat das Opernhaus von der Bellevue-Tramstation aus wegen Bäumen in seiner ganzen Kindheit nie gesehen. Ein wichtiger Bau kippt so aus dem kollektiven Bewusstsein. Dann kam der neue Platz und: schon wieder Bäume, die die Blickachse zur Oper verstellen. Eine Bauminsel am dümmsten Ort! Es braucht ein paar neue Grossbäume für Schatten ausserhalb der prominenten Blickachse und noch eine Winzigkeit: die Hecke an der Bellerivestrasse muss entfernt werden, damit man den See wieder sieht.

Zwei Mini-Massnahmen und schon kommen Opernhaus und unser See ins Bild. Ganz nach den Büchern von Vitruv (84-27 v.Chr.) über Architektur und Städtebau.

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Bagatelle Bellevue?

Erstaunt es, dass sich «zuerivitruv» dem Bellevue zuwendet? Erstens sterben dort die neuen Bäume (rote Kreuze) und zweitens gibt es in dieser Krise Gelegenheit, mehrfach zu punkten. Das Platzkonzept war schon zu Beginn klimatisch gesehen veraltet. Grosse versteinerte Flächen heizen sich auf – neue Hitzeinseln sind nicht mehr gefragt. Das gilt auch für den Münsterhof. Vor wenigen Jahren flogen Schirme bei Sturm in die Luft. Jetzt geben solidere Modelle ein bisschen Schatten.

Erfolgreicher ist der Stadelhoferplatz mit seinen gigantischen Platanen und dem rauschenden Brunnen. Da meldet sich ein französisches Konzept mit Vehemenz und Unsterblichkeit zurück.

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Jan Gehl

Der dänische Architekt Jan Gehl tut seit längerem das Richtige: Er sieht das Haus im Zusammenhang mit seiner Umgebung, seinem Quartier. Wobei Quartier Teil der Stadt ist und Quartiere die Stadt machen. Das Haus verbindet sich mit seinem Umfeld. Im Haussmann-Paris ergeben sich bei Einmündungen dreieckige Restgrundstücke. Dort findet alle paar Tage ein Markt statt. «Comment le voulez-vous?» wurde «zuerivitruv»dort am Käsestand gefragt. «Camembert» sagte er. «Mais comment – le Camembert!?». Schon weich, halbreif – das war die Frage. Solch berauschende Szenen spielen sich idealerweise schon im Quartier ab und nicht erst nach einer Fahrt ins Shopping Center.

Das Haus ist Teil der Stadtstruktur, die wichtiger ist, als es selbst. Das Zürcher Hochhaus ist da der Elefant in der Porzellankiste.

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Schaden für die Stadt – Schaden für die Bewohner

Ein Haus ohne Bezug. Hingestellt wie ein Schrank. Entfremdung und Abwendung von der Umgebung durch Hochformat. Wir sprechen vom Wohnen. Büro ist etwas anderes, das wir hier für einmal ausser Acht lassen. Einfach hingestellt worden, wie bestellt und nicht abgeholt. Mangels Bezug kippt dieser Genossenschaftsbau zum Fremdkörper, eher zum Schadensfall als zu einem Beitrag für Stadt. 

Wer ist es, der da wohnen möchte? Vielleicht die schon lange andauernde Wohnungsnot.

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Freundliche Stadtergänzung

Das lange Haus steht im Bezug zur Umgebung: eine Ausstülpung von Mutter Erde, von ihr abstammend und mit ihr im Kontakt verbleibend. Ein Haus mit Zusammenhang und damit ein Haus mit Verbindung zur eigenen Umgebung. So wird das Haus ein Beitrag zur Stadt.

«Ornamento alla Città», wie es Andrea Palladio schon im 16. Jahrhundert in seinen «Quattro Libri» forderte.

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Zwei Welten

Der liegende Block (Kraftwerek 1) mit der grosszügigen und luftigen Sockelzone kommuniziert lebhaft mit der Umgebung. Man kann sich darin auch eine grosse Vielfalt von interessanten Nutzungen vorstellen.

Beim stehenden Block rechts (ABZ) herrscht Monokultur. Die Bewohner sind gestapelte Insassen: 1 Stock mehr oder weniger gefällig? Oder gar 10? Es spielt keine Rolle mehr, denn der Mensch ist im Hochregallager. «zuerivitruv» sind die Bestrebungen zur Gruppierung von Etagen bekannt: eine Symptombekämpfung. Nicht vergessen: Diese 80 Meter hohe Scheibe erhebt sich über das Häusermeer und greift massiv ins Stadtbild ein. Sie macht sich zum weither sichtbaren Monument, ohne eines zu sein. Die in der Stadt begehrten Luftströme treffen auf ein beachtliches Hindernis. Gleiches geschieht unserem Blick der frei über die Stadt schweifen will. Die bewaldeten Kuppen der Hügelzüge verabschieden sich. Hier ist ein öffentliches Interesse tangiert, denn Stadtbild und der freie Blick ist Allgemeingut.

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Zwei Bautypen im Vergleich

Liegend oder stehend – das macht den Unterschied der Projekte im Koch-Areal: Der stehende Block (das Hochhaus) hat alles an einem vertikalen Erschliessungskern mit den Liftbatterien und Treppen. Sofort entsteht die zu grosse Zahl an nur einem Eingang im Erdgeschoss. Die Anonymität ist schon da, die Isolation von der Umgebung absolut. Eine Vorzone auf Mutter Erde erübrigt sich.

Ganz anders beim liegenden Block. Es gibt mehrere Treppenhäuser mit weniger Bewohnern und eine grössere Nähe zur Umgebung im Erdgeschoss. Innen und Aussen ist verwoben, die Umgebung erreichbar. Zudem verbindet eine Terrassenetage die Treppenhäuser im 1. Stock und bildet eine halböffentliche Zone die dann in einen kleinen Park mit Baumbestand übergeht.

Freundlicher kommunizierender Wohnblock oder isolierter Wohnsilo?
Ein Beitrag oder ein Schaden für die Stadt?

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