Wohnsiedlung Rotbuchstrasse: ein 1. Preis, der Freude macht

«zuerivitruv» ist glücklich: ein allseits erfreulicher 1. Architekturpreis ist bekanntgeworden. Wir haben in Zürich an der Rotbuchstrasse unterhalb des Schaffhauserplatzes jetzt ein Projekt, das Haus und Baum und Stadt in ein glückliches Gleichgewicht setzt. Wie in den Postings vom 12. / 14. / 15. Januar dargestellt, ist das die Form der klimagerechten Zukunft: Haus und Baum in ähnlicher Höhendimension machen eine Symbiose aus, die gleichzeitig auch die Soziologie des Wohnens, die Ökologie des Bauens, das Quartier und das Stadtbild bestens berücksichtigt.

Mit seiner urbanen Baum-Haus-Philosophie stellt das schöne und inspirierte Projekt die Kette der klimatischen Fehlleistungen Zürichs (Depot Hard, Hardturm, Thurgauerstrasse und Letzi) tatsächlich in den Schatten.

Architekten: EMI Zürich und Ganz Landschaftsarchitekten Zürich

Bild: zuerichbaut

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Baum-Polsterung bringt Komfort

Die grüne Partei Winterthur hat kürzlich dieses Bild präsentiert. In Zürich gibt es Gebäude, die in der Binz am steilen baumbestandenen Hang der ehemaligen Zürcher Lehmgruben stehen. Die Leute sagen, sie hätten innen 25°C, wenn aussen 32°C herrsche. Das bemerken sie mit Überraschung jeden Abend, wenn sie nach Hause gehen.

In der Eisenbahn gab es früher die unkomfortable Holzklasse. Heutzutage fahren wir alle gepolstert. So wünscht sich auch die Bewohnerschaft der Stadt Zürich eine kühlende klimatische Polsterung durch Bäume. Das ist nur möglich, wenn Grossbäume, die tief wurzeln, von den Häusern nicht überragt werden. Selbstredend schliesst das alle Hochhäuser aus. Diese Balance von Haus und Baum können wir in Toulouse, Nimes und Avignon sehen, aber auch in Zürich in der Bebauung «Hohenbühl» beim Kreuzpatz. Im Abschnitt der Hohlstrasse vor der Einmündung in den Bullingerplatz erleben wir die begehrten Grossbäume in Form einer schattenspendenden Allee. Doch keine Angst vor dem Winter: die Blätter fallen und machen der Sonne den Weg zu den Fassaden frei.

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In der Hitze braten ohne Sonnenschirm

Im Bild sehen Sie den Stadt/Land-Vergleich bei (sommerlichem) Sonnenschein. 
Fängt ein Baum die Sonne, macht er Schatten ohne sich dabei selbst zu erwärmen, denn er beginnt dann Feuchtigkeit zu verdunsten. Physik: zur Verdunstung wird Wärme verbraucht, was der Umgebung Kühlung bringt. Ein Haus kann das nicht, denn seine Fassade speichert die Wärme um sie dann in der Nacht, von der wir Abkühlung erwarten würden, wieder an uns (Menschen) zurückzugeben. Daraus entsteht die Trostlosigkeit, die wir «Affenhitze» nennen.

Wie Sie in der Bildmitte der Rechten Abbildung «Stadt» sehen, fangen Hochhäuser, welche die Bäume überragen, die Wärmeeinstrahlung ungeschützt. Das heisst: In der Hitze braten ohne Sonnenschirm. 

Bild: geopartner

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Kumulation in der Hitze

Hier an der Turbinenstrasse in Zürich-West kommt gerade alles zusammen: Die seit 2000 entstandenen Hochhäuser, sowohl in Turm- als auch in Scheibenform, fangen und akkumulieren die Hitze. Sie überragen kühlende Bäume, die es hier infolge der Tiefgaragen nicht einmal gibt. Das ist, auch ohne Gleisfeld, eine «ideale» Hitzeinsel. Alles Zement, in der Horizontalen und in der Vertikalen, ideal zur Wärmespeicherung.

«zuerivitruv» fragt: Wer findet, die Zürcher Baukultur sei noch zeitgemäss?

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Kühlende Fallwinde und Thermik

Scheint in der Stadt unten alles stillzustehen, tut sich, wie das Bild des fliegenden Jackets in Fluntern zeigt, etwas in den Hanglagen. Zusammen mit den bewaldeten Kuppen produzieren diese die im letzten Posting erwähnten kühlenden Fallwinde. In der Nacht generiert, ergiesst sich der Segen vom Üetli-, Zürich- und Käferberg in die Stadt hinunter. Wird es am Nachmittag am Zürichberg sehr heiss, kann es zur Thermik (aufsteigende Luft) kommen und das Jackett bewegt sich dann bergwärts.

Seit dem Jahr 2000 beschäftigt sich die Stadt Graz mit ihrem Stadtklima. Im Sommer ist die Luftzirkulation der wichtigste Aspekt. Hochhäuser, ob im Quer- oder Hochformat, sind Strömungshindernisse und damit Gift für den Luftaustausch.

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50°-Ferien à la Zurichoise

Das Gleisfeld – eine mögliche 50°C-Zone – ist die grösste Hitzeinsel von Zürich. Sie braucht dringend Ausgleich, denn die Luft flimmert nur noch. Die Bewohner des Pavés von Zürich, dort wo die Fallwinde der Hügelketten nicht mehr hinkommen, sehnen sich nach Linderung.

Was macht das Bauamt? Es konzentriert gerade dort, an den glühenden Rändern des Geleisfelds, höchste Wohnhäuser in grösstmöglicher Dichte. Sie sind so hoch, dass sie sich weit über einen kühlenden Baumhorizont der Sonne entgegenstrecken. Diese rege Bautätigkeit generiert mit ihrer laufenden Realisierung noch zusätzliche «Heizkörper». Das letzte Projekt «Letzi» der Stadt Zürich konzentriert hier sogar noch Wohnraum für kinderreiche Familien: früh übt sich, wer ein Meister werden will.

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Strategie im öffentlichen Raum

Bereits Ende der Siebzigerjahre fühlten sich die zentrumsnahen Quartiere wie Oberstrass zunehmend als Opfer des Durchgangsverkehrs. Strassenfeste wurden veranstaltet, der Gedanke an Verkehrsberuhigung spaltete die Bevölkerung und es wurden «Wohninseln» zwischen den Hauptstrassen vorgeschlagen. Das Bild erklärt den grossen Coup zur Widererlangung von Lebensraum im Zentrum von Oberstrass. Blau der Durchgangsverkehr auf der Kantonalen Hauptstrasse (Universitätsstrasse) und gelb die gekappten Quartierstrassen, welche dem neuen «Rigiplatz» zustreben und dort richtiggehend aufgefangen werden. 

Die Zahlen bezeichnen drei Ebenen, die sich den Hang hinaufstufen: Die Spielwiese mit Sitzstufen, der Quartierplatz mit Gartenrestaurant und der bestehende Park oberhalb der Hauptstrasse. Das ist die Antwort des emanzipierten Quartiers auf den Durchgangsverkehr. Durch die Öffnung der Schulwiese hat sich eine sehr belebte Zone entwickelt, die sich bis zum Schulhaus Scherr (S) und seinem Pausenplatz erstreckt. Ein Paradies für Eltern, die hier Kinder aufziehen.

Diese strategischen Gedanken für den Zentrumsbereich des Quartiers Oberstrass verdanken wir dem damaligen Stadtbaumeister Dölf Wasserfallen.

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Verbesserungen im öffentlichen Raum

Schon sehr früh, nämlich bereits um 1980, hat die Stadt Zürich beschlossen, einen neuen «Rigiplatz» zu bauen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Mit Erstaunen nehmen wir wahr, dass unsere Stadt um die Jahrhundertwende an Kreuzungen, möglichst viele Strassen in einem Punkt zusammenführen wollte und dies dann «Platz» nannte. Am Rigiplatz waren es fünf Strassen: Statt Platz nur Verkehr.

Die zwei Strassen unterhalb der Universitäts-Strasse wurden gekappt und enden als reine Quartierstrassen im Platz, der sie mit offenen Armen aufnimmt. Seit der Eröffnung im Jahr 2005 gewinnt der Platz jährlich an Popularität. Solche Freiräume ausserhalb der Grundstücke sollte es in jedem Quartier geben. Hier handelt es sich um besonders geschickte Stadtplanung, weil sich die Hauptebene des Platzes mit dem Restaurant «Alter Löwen» verbindet und mit der Spielwiese, die Sitzstufen erhalten hat, nahtlos in das Umfeld des Scherr-Schulhauses übergeht. Ein Paradies im Herzen des Quartiers Oberstrass.

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