Der Hochhausfeldzug in den ausgesprochenen Familienquartieren von Zürich legt Ignoranz und verborgene Interessen der Protagonisten frei: das Hochhaushonorar der BSA-Architekten, Hochhausplacements der Immobilienbranche (FDP), unhinterfragtes pseudomodernes Getue (GLP). Die neu zu schaffenden Quadratkilometer von Hochhausgebieten – die Wohnsilo-Cities – sind kein geeigneter Ort für Familien und Kinder. Der Wohnsilo generiert bekanntlich Problemkinder.
Gehen wir zurück zu New York 1974: Oscar Newman untersuchte Lebensumstände in Manhattans Nachkriegsbauten. Er verglich die Baumuster Brownsville (6 Etagen) und Van Dyke (14 Etagen). Brownsville weist in 1 Block auf 3 Treppenhäusern verteilt je 12, 18 und 12 Wohnungen pro Hauseingang auf. Van Dyke 112. Brownsvilles Anonymität ist in Grenzen, die von Van Dyke ausserhalb. Ein anderes Kriterium ist die Erreichbarkeit des Frei- und Spielraumes für Kinder. Bis zu 4 Etagen ist das gegeben; bei Van Dyke jenseits. Die Wohnungen sind für aufwachsende Kinder vom Boden gelöste Gefängnisse. Um der Bewegungs- und Kontaktarmut zu begegnen, wurde der bald gescheiterte Versuch unternommen, die Verbindung zwischen Mutter und Kind mit einer TV-Kamera zu bewältigen: Die angstvolle Mutter im 13. Stock am TV und das einsame Kind unten auf dem Rasen. Geht das Kind eigene Wege, musste es ein Gebrüll aus dem Lautsprecher gewärtigen.
Es ist fast rührend, zu beobachten, wie Menschen Fehler aus Nichtwissen bauen und dann zu korrigieren versuchen. Unentschuldbar ist aber, wenn Menschen ein ¾ Jahrhundert später diese lebenswichtigen Erkenntnisse beiseiteschieben. Auch alle gescheiterten Wohnexperimente in Hochhäusern in Europa haben uns längst gezeigt, dass sich schlechte Behandlung wie ein eisernes Gesetzt rächt.
Folglich, wer Zürich retten will: JA zur gemeinderätlichen Vorlage, NEIN zu der des Stadtrats und bei der Stichfrage: Vorlage Gemeinderat.