Tour Montparnasse

1974 eröffnet, löste die Tour Montparnasse Protest aus. Die Disruption im Stadtbild war enorm, sowohl durch seine Grösse, als auch wegen seiner ausgesprochen dunklen Farbe. Was bei den Rauchglastischchen damals in Mode war, passte nicht in das heitere, helle Stadtbild von Paris. Das ungeschriebene urbane Gesetz von Paris, dass nur Bauten von öffentlicher Bedeutung das Stadtbild überragen sollen, wurde verletzt. Damit traf es den Stolz der Bewohner. Ob unter den Bögen des Eiffelturms, vom Dach der Galleries Lafayette, dem Centre Pompidou – der schwarze Pfahl ist ein andauerndes Ärgernis. Doch zu viel Kapital ist investiert – man kann ihn nicht abbrechen.

«zuervitruv» war im letzten Juni dort: Der Turm und auch seine Aussichtsplattform ist geschlossen. Der Blick durch die Rauchglasscheiben offenbart Staub und Aufräumarbeiten. Parallel dazu kursieren in den Medien helle Visualisierungen. Der Genuese Renzo Piano – einer der beiden Partnerarchitekten des Centre Pompidou – wurde engagiert. Helle Glaschuppen sollen den dunklen Pfahl quasi unsichtbar machen «on s’excuse».

Inzwischen haben sich zwei Dinge ereignet. Die Investorengruppe ist nicht bereit, die veranschlagten 800 Millionen Euro zu stemmen und bei Wind werden die umliegenden Strassen geschlossen, weil sich die Scheiben lösen und wie Herbstblätter herunterfallen. Ein solches Szenario ereignete sich schon in den siebziger Jahren in Boston beim Tower der Hancock-Versicherung. Auch dort wurden Strassen geschlossen. Holzpaneele ersetzten die fehlenden geschosshohen und grünen Scheiben. Das über die Zeit entstehende Muster bildete die Aerodynamik am Turm ab und geriet zum gigantischen Kunstwerk. Die Versicherung wollte den Turm loswerden und schenkte ihn der Stadt Boston, welche aber ablehnte.

40 Mio wurden vor Jahren für die Fassadenrenovation der Hardau-Türme veranschlagt. Dann meldeten sich Asbestprobleme und jetzt wird fast heimlich mit einem Gleitgerüst renoviert, das am Wochenende verschwindet.

Ein Kommentar zu “Tour Montparnasse”

  1. . . . nichts gelernt! 50 Jahre nach dem Südenfall folgt der zweite Streich, diesmal aus dem Büro der Schweizer Architekten Herzog & De Meuron, der Tour Triangle. Zwar lediglich 180 Meter hoch (plus 35 Meter in die Tiefe zur Fundation in den schwammigen Untergrund) , geschätztes Investitionsvolumen 700 Millionen Euro. Ausser eine Aussichtsplattform ganz oben (42 Stockwerke) eigentlich ohne ein öffentliches Bedürfnis abdeckend, ausser Renditeabsichten natürlich.
    Gestalterisch setzt sich dieser neue Tour zwar ab von der dunkelgrünen Kiste am Montparnasse (die Fassade ist weiss, alles ist schräg, einzelne Kanten wie eine Fuchsschwanz-Säge), doch es bleibt eine zweite Verschandelung der sonst intakten Skyline von Paris.

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