Limmatufer vor Hochhausplanung

Wir erinnern uns an die groteske Beeinträchtigung des Wipkingerparks durch Hochhäuser wie in den Postings vom 15. Und 17. November dargestellt. Das hat direkt mit der Hochhausplanung der Stadt Zürich zu tun. Der Hochhausplan zeigt, dass weitere solche Katastrophen an den Limmatufern ermöglicht werden sollen. Gebiete von 60 Metern Höhe am Ufer (braun), 80 (blau) und etwas zurückversetzt und in der Höhe unbegrenzt (schwarz gestreift). Benutzen Sie den Massstab ganz unten rechts im Bild. Es ist schon fast tragisch, dass die städtischen Planer Hochhauszonen an einem Südufer vorsehen. An Stelle von fröhlichen, hellen und lichten Uferzonen wird hier eine traurige Schattenwand am Wasser gezüchtet. Nur genaues Planlesen bringt hier die Düstere Zukunft an den Tag. «zuerivitruv» glaubt, dass es dazu nicht Fachperson sein muss; das ist jedermann gegeben. Eine übergeordnete Bemerkung: Die Aufhebung der grossen Industriezonen Ende des letzten Jahrhunderts weckten Hoffnungen auf einen schönen neuen Stadtteil. Statt das Ganze mit dem grossen Potenzial der Uferzonen an der Limmat zu sehen, ist man einseitig, engstirnig und rücksichtslos mit Hochhauszonen dreingefahren. 

Wir – die Bevölkerung dieser Stadt – können deshalb von Glück reden, dass letzten Februar die Uferschutzinitiative mit 4’772 Unterschriften eingereicht worden ist. Die gemeinderätliche Kommission hat die Initianten bereits zu einer Präsentation eingeladen. Sprechen Sie mit Ihrem Gemeinderat oder Ihrer Gemeinderätin! Der Entscheid ist 2024 zu erwarten. Link: www.uferschutz.ch

Von den Investitionsbrocken zum lebenswerten Stadtgewebe

Beton, Stein und Asphalt, das steht für verlorenen Sinn in der Stadtgestaltung. Der Anlass des Bauens besteht hier im Umfeld der Turbinenstrassse – wenige Meter vom Maagplatz des letzten Postings – einzig in der Erstellung von hochformatigen «Containern», die vermietbare Quadratmeter stapeln. Auch die Stadt hat nicht hingeschaut und dieses eindimensional ausgerichtete Denken zugelassen. Das macht unter anderem den schlechten Ruf von Zürich West aus: die Bebauungsart mit wild herumstehenden Hochhäusern. Das Publikum hat die Öde bemerkt und ist verstimmt. Die Verstimmung wird wie die Bauten permanent sein. Man spricht nicht nur von einem verlorenen Jahrzehnt, sondern auch von einem missratenen Quadratkilometer innerhalb der Grenzen der stolzen Stadt Zürich. Die Fotos sind Abbilder des seelisch verkümmerten Stadtteils.

Wenn neue Quartiere für wohnen und arbeiten in den grossen ehemaligen Industriezonen so aussehen, darf damit nicht weitergefahren werden. Bestehende und geplante Hochhausleitbilder sind beiseite zu legen. Auf die weitgehend gescheiterte Planung (das kann in jeder Stadt passieren) muss nach dem Marschhalt eine neue Philosophie folgen. Eine lebenswerte Stadtentwicklung muss das eiskalte Platzieren von «Investitionsbrocken» ersetzen. Der durch das Klima hervorgerufene Paradigmenwechsel erleichtert die Arbeit: Die CO2-Logik hat den Vorrang – klimagerechter Städtebau ist das neue Ziel. Das heisst: «dichte und stark durchgrünte Stadt ohne Hochhäuser». Für das Stadtbild und für die Soziologie des Wohnens sind das gute Nachrichten. Kommt noch das Denken in möglichst selbstgenügsamen Nachbarschaften dazu, geht die Mobilität im gleichen Zug zurück.

Deux Embellissements Zurichoises

Vielleicht endet der unkritische «Amerikaausflug» des Europäers nach dem 2. Weltkrieg, weil er künftig an der Energie- und CO»-Frage scheitert. Er hätte aber schon längst an der Soziologie des Wohnens scheitern müssen. Kollektive Oberflächlichkeit hat geholfen, uns auf falsche Pfade zu führen. Z.B. wurde in den Wolkenkratzern nicht gewohnt. Die Bürotürme kulminierten im World Trade Center. Gewohnt wird in Manhattan vorwiegend in den «Brownstones» (brauner Sandstein). Das sind Reihenhäuser mit 3 bis 4 Etagen. Die Bäume, so es in den «Streets» hat, folgen der hier oft präsentierten Idealvorstellung von «Haus und Baum in ähnlicher Höhe».

Jedes Gebiet in der Stadt Zürich wurde einmal parzelliert. In der Regel von der Stadt.  Exakt: vom Tiefbauamt. Um 1900 wurden Strassen mit grosser Sorgfalt angelegt und in Abständen Plätze ausgespart. Die Bauten antworteten mit gefragten Erdgeschossnutzungen, die Stadt pflanzte Bäume. Das hier gezeigte Beispiel ist der Idaplatz. Wie das selbe 110 Jahre später in Zürich West gehandhabt wird, führt der Maagplatz des Prime Towers vor. Die spiegelnde Bürofassade knallt aus 126 Metern Höhe in den Asphalt.

Embellissement du Quartier

Wer denkt, dass es in Paris nur die grosse Dimension gibt, täuscht sich. Mit zeitgemässen Ideen im Kopf, wird Quartier um Quartier in partizipativen Verfahren aufgewertet. Flandre-Aubervilliers im 19. Arrondissement ist gerade an der Reihe. Das ist nichts anderes, als «persönlich» gemeinte Pflege der Stadtsubstanz neben den Grands Travaux der Grossstadt. Es ist sogar so, dass die Arbeit am Stadtgewebe sich gegenwärtig in den Vordergrund schiebt. Im Fokus sind Klima und Lebensqualität die gemeinsam einen Vektor in die Zukunft richten. Die Pläne werden den öffentlichen Raum stärken und damit den «gemeinsamen Boden» als Drehscheibe der Urbanität. Das ist der Inhalt von «Embellissement du Quartier»,

Wir alle haben an der Autokultur teilgenommen und vor der allgemeinen Verstopfung auch viel Vergnügen «erfahren». Dann folgten die Übertreibungen bis hin zum Auto als Lebenszentrum. Kluge Köpfe sagten schon immer, dass das Auto der europäischen Stadt schade. Diese erstaunte aber vorerst mit ihrer Toleranz gegenüber dem neuen Medium. Doch irgendwann begann die Wahrheit durchzudrücken. Die europäische Stadt will nicht auf kalifornische Art so verdünnt werden, dass «Stadt & Leben» sich zwischen parkinglots und freeways verflüchtigen. Ein neues Gleichgewicht wird sich finden. Das Pendel schlägt nicht zurück, sondern vorwärts in eine weniger gewalttätige Richtung. Die «stiff upper lip» des auswählenden Konsums per Auto wird nicht länger oberstes Lebensprinzip sein. Wir werden der Stadt wieder Sorge tragen. Prof. Werner Jaray sagte in den sechziger Jahren zu seinen Architekturstudenten an der ETH: «Eure Aufgabe ist es, das Ambiente des Menschen zu verbessern».