Zwei Seiten am Ampèresteg

Zwei Arten der Verdichtung treffen sich. Wir kennen die Liegenschaft rechts der Limmat vom letzten Posting und schauen sie auch noch von der Rückseite an. Wir sehen, dass nicht nur in der Höhe ergänzt wurde, sondern auch im Grundriss. Ganz im Sinn des urbanen Flachbaus schöpft das Ensemble aus Alt und Neu die Höhenteiligkeit in vollem Umfang aus: Sockelgeschoss – Mitte -Attika. Dass hier mit so grosser Sorgfalt und entsprechendem Erfolg verdichtet wurde, ist als Glücksfall für die Stadt Zürich anzusehen.

Wesentlich weniger Glück hat die Stadt mit der soeben begonnenen Überbauung «Wohnsiedlung und Depot Hard» auf der linken Seite der Limmat. Statt einen Beitrag zum speziellen Ort mit dem Wipkingerpark am Fluss zu leisten, kommt hier die Verdichtung mit voller Brutalität daher. Familien werden bis 60 Meter in die Höhe gestapelt und der Schattenwurf in der zweiten Tageshälfte nimmt der Limmat den Reiz und beschattet den neu geschaffenen Park. Das nächste Posting bringt mehr Information dazu.

Verdichtung beim Ampèresteg

Wir verdichten wieder im urbanen Flachbau. Dieses Mal beim Ampèresteg zwischen Wipkingerpark und Puls 5 an der Limmat. Für Zürich heisst das: Verdichten innerhalb der Bau- und Zonenordnung. Ein ganz toller Hybrid ist hier entstanden. Mit einem fantasievollen Konzept und hochgradiger Ästhetik. Hybride sind oft interessanter als reine Neubauten.

«zuerivitruv» weiss nicht mehr über das Haus als Sie. Aus seiner langjährigen Erfahrung ist hier ein ehemaliges Fabrikgebäude umgenutzt und aufgestockt worden. Wer möchte hier nicht wohnen? Es wurde nichts abgebrochen, keine graue Energie vernichtet, vor allem nicht die Betonböden. Von selbst stimmt da schon vieles. Ist man auf der Bahn des Paradigmenwechsels, ergibt das eine das andere. Hier ein Kompliment an die Bauherrschaft und an den Dirigenten – den Architekten.

Das Beispiel zeigt: Zürich kann, wenn einmal das Oberstübchen neu vermessen ist, ganz gut im urbanen Flachbau verdichten. Das «Oberstübchen neu vermessen» hat «zuerivitruv» übrigens vom bekannten Stadtwanderer Benedikt Loderer gestohlen. 

Noch mehr Wohnsilos oder zeitgemässer Städtebau?

Im vorletzten Posting beschäftigte «zuerivitruv» die Frage: «Hat das Gemeinwesen das Sagen oder haben die Immobilienkonzerne freie Bahn?»

Und was ist, wenn das Gemeinwesen selbst Wohnsilos à la chinoise portiert, als ob es gälte, die grossen Immo-Konzerne Chinas zu konkurrenzieren? Dann ist es Zeit, den Paradigmenwechsel auf breiter Basis zu verlangen. Das stadtzürcher Hochbaudepartement läuft mit voller Kraft immer noch in die falsche Richtung: gegen die Ökologie des Bauens, gegen das Wohnen in einer guten Nachbarschaft, und gegen das Klima und den Luftaustausch in der Stadt.

Bilder:

Oben Swiss Life: Leutschenbach und Letzi-Turm am Gleisfeld

Unten Hochbaudepartement: Tamdepot-Türme und Projekt Thurgauerstrasse

Die Zukunft gehört dem urbanen Flachbau

Wer im Hochhaus wohnt, wohnt nicht im Quartier.

Wer im Hochhaus wohnt, kennt keine Nachbarschaft.

Wer im Hochhaus wohnt, nimmt nicht Teil.

Wer im Hochhaus wohnt, dessen Kinder haben fürs Leben Nachteile.

Zürich ist rückständig: Immer noch Wettbewerbspreise für Wohnhochhäuser, sogar wenn sie in den Bedingungen ausgeschlossen sind. Beispiel dazu: Die Tramdepot-Hochhäuser an der Limmat.

Die Zukunft gehört dem urbanen Flachbau!

Bilder: Links Swiss Life Baslerstrasse, rechts «Swing Out» Stöckacker Nord, Bern

Evergrande

Der grösste Immobilienkonzern Chinas – Evergrande – wankt und lässt weltweit die Börsen zittern. «zueriviteruv» nimmt diese Publizität wahr, um über die Form der chinesischen Immobilien im Verhältnis zu Zürich nachzudenken. Schon lange sind in diesen Postings die rücksichtslosen «Placements» der Immobilienkonzerne in unserem Stadtbild ein Thema. Obwohl sich die Wirtschaftssysteme unterscheiden, gleichen sich die Bilder der in der Vertikalen ausgerichteten Wohnsilos. 

In China wird alles geschluckt, wenn es nur einige Quadratmeter gibt, die zu   

kaufen sind. Wohnkultur und die Soziologie des Wohnens, die sich bei uns über Jahrhunderte entwickelt haben, gibt es nicht mehr. Die Reste der vorrevolutionären Hofhaustradition wurden laufend dem Boden gleichgemacht.

Ist die Behauptung falsch, dass immer mehr Leute die Zürcher Hochhausbesessenheit hinterfragen? Der einseitig rationale Fortschrittsglaube – wie er nach dem Krieg herrschte – sollte nach all den Abbrüchen von gescheiterten Siedlungen in Deutschland, DDR und Frankreich inzwischen überwunden sein. Gutes urbanes Zusammenleben oder abgefüllt werden? – das ist die eine Frage. Die andere: Hat das Gemeinwesen das Sagen oder haben die Immobilienkonzerne freie Bahn? 

Was wir uns wünschen, sind menschengerecht geplante Siedlungen, die auch den neuen Anforderungen von Ökologie und Klima genügen. Die hier laufende Reihe des urbanen Flachbaus illustriert dies mit Beispielen.

Schweizer Architekten gewinnen im Ausland

«Es ist uns gelungen, eine hohe Dichte bei niedriger Bauweise zu erreichen» das ist eines der Statements der Gewinner des Wettbewerbs für die Überbauung Lerchenauerstrasse/Feldmoching in München. Die Architekten kommen aus der Schweiz: Ammann Albers StadtWerke, Zürich. Das Projekt schöpft die Möglichkeiten des urbanen Flachbaus gleichmässig und vollständig aus. Die Stichworte sind folgende: 

  • Hohe Dichte mit möglichst niedrigen Bauten
  • Wohnbauten kommunizieren mit dem öffentlichen Raum
  • Randbebauungen
  • Höfe, Wohnstrassen und Wohngassen
  • Durchgehender Anger nord-süd
  • Dachgärten

Die preisgekrönte Qualität liegt in der Optimierung von gleichzeitig mehreren Aspekten, die alle dem Wohnen dienen. Im Fokus steht der Bewohner. Das bedarf grosser Sorgfalt und Umsicht bei der Planung. Das Resultat ist ein Beitrag zu Stadt. Und das ist der grosse Unterschied zu den kalten «Immobilien-Placements» mit Hochhäusern, die in Zürich immer noch realisiert werden.

Bild: Ammann Albers StadtWerke

Urbaner Flachbau in Mannheim

Auf dem Gelände der ehemaligen «Turley Barracks» der US-Armee werden Baufelder vergeben. Das Architekturbüro «motorlab» schlägt Bauten mit wunderbarer Höhenteiligkeit und grossem Holzanteil vor. Schon die «Haussmannienne» von Paris punktete ab 1853 mit einer klugen Höhenteiligkeit. Nach Jahrzehnten des «blöden Blocks» wird das Potenzial des urbanen Flachbaus weitherum entdeckt.

Wann folgt Zürich? Wann sieht Zürich den Irrweg des Wohnsilos ein, der sich in die Höhe flüchtet, der Nachbarschaft und dem Stadtbild schadet? 

Das Projekt «Evergreen» in Mannheim bildet die Sockelzone mit Gartenzugang, die Mitte mit geräumigen durchlaufenden Balkonen und die Attikazone je optimal aus. «Evergreen» weckt das Potenzial des urbanen Flachbaus. Solche Bauten, die sich innerhalb der Bau- und Zonenordnungen bewegen, sind im Gegensatz zu Hochhäusern in sich ökologisch, für die Nachbarschaft positiv und lassen, da sie nicht aus dem Häusermeer ragen, den immer wichtiger werdenden Luftaustausch gewähren. Hier zeigt sich sehr anschaulich eine Möglichkeit zur Bewältigung des anstehenden Paradigmenwechsels.

Bild: motorlab Mannheim

Urbaner Flachbau an der Hochstrasse

Zurück von Paris / Marrackech an die Hochstrasse in Zürich. Dieses Dreifamilienhaus verdichtet, indem es ein Einfamilienhaus ersetzt, das in der sich wandelnden Umgebung bereits klein aussah. Es ertrank ohne Aussicht. Die Eigentümer wollten etwas quartiergerechtes. Der Architekt wollte noch mehr: einen Prototyp für Einfamilienhausersatz – sollte auch für Villen weiter oben im Hang gelten – am Zürichberg. Die üblichen kleinen Balkone kamen nicht infrage. Jede Wohnung sollte über  50 m2 Aussenfläche verfügen. Das liess sich durch kluge Kombination einer Gartenwohnung mit zwei darüber liegenden Maisonettewohnungen mit je einer grossen Dachterrasse bewerkstelligen. «Stadtvilla» hiess das Modell, das damals in Berlin im Tiergartenareal verwirklicht wurde und Berühmtheit erlangte. Dem Architekten in Zürich stand nur eine kleine Parzelle zur Verfügung, doch übernahm er den Takt aus dem benachbarten Strassengeviert mit seinen zehn villenartigen Mehrfamilienhäusern aus der vorletzten Jahrhundertwende. Das Haus hat seinen 30. Geburtstag bereits hinter sich.