Der offene Himmel über Paris

Wie das Stadtbild ist auch das Geschehen am Himmel grossartiges Allgemeingut. Von der Sacré Coeur auf Montmartre aus sehen Sie über die Stadt hinweg die in grossen Kuben geschnittenen Baumalleen im Jardin du Luxembourg. Die Stadt als Bild, das allen gehört. Da sitzen sie auf der bekannten Treppe – Einheimische und Touristen – und schauen gemeinsam die Stadt.

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Dichte bedarf des Hochhauses nicht

Im Bild links der «tapis de Paris», der grosse urbane Flachbau, rechts Barcelona mit der Avinguda (Avenida) Diagonal. Beide Städte haben etwa die vierfache Einwohnerdichte von Zürich und verzichten trotzdem auf disruptive Hochhäuser. Kultur beginnt im Kopf: Gute Bauregeln ermöglichen die geforderte Dichte. Nur Bedeutendes darf aus der Stadtsilhouette herausragen. In Paris der Eiffelturm, der Arc de Triomphe und nicht sichtbar, das Centre Pompidou. In Barcelona sehen Sie links der Avenida Diagonal die Sagrada Familia. Das ist die europäische Stadt in Hochform!

Da gibt es aber auch den Möchtegern am Zürichsee, der ohne Notwendigkeit und auf Kosten von Stadtbild und Landschaft mit dem Hochhaus punkten will. 

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Zürich muss sich entscheiden

Wir können Paris doch nicht auslasse. Für die Stadtbilddiskussion in Europa ist Paris, das hier im Bild seinen offenen Himmel zeigt, unverzichtbar. Der offene Himmel ist für die europäische Stadt typisch – in Paris verdankt er sich dem 1853 etablierten Höhenplafonds für Gebäude («gabarit façades» et «gabarit combles»). Nur das Wenige, das von öffentlichem Interesse ist, darf sich darüber erheben.

Sie sehen im Bild die hohe Dichte des «tapis de Paris», die grossen Boulevards mit ihren Bäumen (ganz links Boulevard Grenelle mit métro aérien und Bäumen), die Monumente wie den Eiffelturm, der sich aus dem Champs de Mars erhebt und den Dôme des Invalides rechts. Und ganz wichtig und intelligent: Sie sehen im Hintergrund das Geschäftsviertel «La Défense, das ausserhalb der grossen Mulde der Stadt platziert wurde. 1967!! – heute das zweitgrösste Geschäftsviertel Europas.

Zürich muss sich entscheiden: Schnellaufbaustadt Chengdu / Shenzen / Kunming / Wuhan oder Europa: Paris / Rom / Barcelona. 

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1983

1983 ist nicht George Orwells 1984, hat aber für das Stadtbild von Zürich weitreichende Folgen gehabt. Nach mehr oder weniger geglückten Eingriffen mit Hochhäusern gab das Hochhaus «Zur Schanzenbrücke» (das dritte von Links) den Ausschlag: Der damals sehr progressive und städtebaulich orientierte Stadtzürcher Heimatschutz sammelte Unterschriften für ein Hochhaus-Ausschlussgebiet in der Innenstadt und hat die Abstimmung im ersten Anlauf gewonnen. Bis heute gültig, verhindert es – allerdings nur in der in der Innenstadt – ein hässliches «Stoppelfeld» wie in Zürich-West. 

Mehrere Postings, die Barcelona, Rom und Athen thematisierten, haben die schöne flache Silhouette der europäischen Stadt gezeigt. Wie wir von vorher wissen, macht da Paris keine Ausnahme. Die für die Allgemeinheit wichtigen Bauten dürfen herausstechen, alles Übrige bewegt sich schöpferisch im urbanen Flachbau.

«zuerivitruv» plädiert für die Wiederabschaffung der missglückten Hochhauszonen von 2002.

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Athens Polykatoikia und die erfreulichen Folgen

Der Häuserteppich breitet sich sanft über die gewellte Topographie hinweg. Der Baustein ist seit den zwanziger Jahren die Polykatoikia, das typisch athenische Mehrzweckhaus. Es ist ein Skelettbau, der vor allem Wohnen, aber auch Büros und Läden in gemischter Form aufnimmt. Sehr flexibel und zwischen 4 und 6 Stockwerke hoch.

Lykabettus, der Hausberg, und die Akropois behalten ihre überragende Position. 
Mehr noch als in Paris: Das Häusermeer folgt der Topographie und die Monumente überragen alles: «Europe at ist best!» 

Zürich steht mit seinen Hügelketten und dem See in keiner Weise zurück, doch der Wildwuchs der Hochhäuser verdirbt das Kunststück aus Stadt und Landschaft.

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Rom

Vergessen wir nicht: Die gute europäische Stadt ist im urbanen Flachbau im engen Zusammenhang mit der Topographie gewachsen. Die sieben Hügel von Rom sind legendär. Sie führen innerhalb der Stadt immer wieder zu erstaunlichen Perspektiven. Die spanische Treppe ist ein grossartiges Beispiel. 

Den offenen Himmel gibt es nicht nur in Paris – er ist typisch für die europäische Stadt, bei der die Landschaft, in der sie eingebettet ist, stets sichtbar bleibt. Stadt und Topografie bilden ein Ganzes.

Der massgebende Kunst- und Architekturkritiker Peter Meyer (1894-1984) beschreibt die ikonische Lage Zürichs mit den Hügelzügen beidseits von See und Limmat. Damit kann die Stadt bestens im europäischen Konzert mitspielen. Heute fragt sich: Wer und wo sind die Kapitäne und wie gross ist ihr Geschick?

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Reklamation aus dem Norden

Der Norden von Zürich hat bei «zuerivitruv» reklamiert, fühlt sich vergessen und sagt: «Was in Leutschenbach an Hochhäusern schon vorhanden ist und noch entstehen soll, ist weder schön noch – gemütlich».

Der Blick streift über Zürich Nord. Was «zuerivitruv» schon lange befürchtet hat, ist hier eingetroffen: Die Kuben schliessen sich zusammen und die Landschaft, der Horizont ist getilgt und wir wissen nicht mehr, wo wir sind.

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Kluge Regeln bringen bessere Häuser hervor

Im Zeitalter der Globalisierung kennt jeder die von Antoni Gaudì entworfene Casa Milà und es scheint fast: je rigider die Städtebauregel, desto grösser die Gestaltungsvielfalt der Gebäude. Es ist das Gesetz «am Widerstand wachsen», oder simpler: wenn die grundsätzlichen Fragen der städtebaulichen Einbindung gelöst sind, lässt es sich dann umso unbeschwerter gestalten. Oder: Wer sich zuerst mangels guter Regeln im Umfeld mühsam integrieren muss, hat keine Energie mehr, zu gestalten. Dazu kommt noch, dass in der Regellosigkeit schon der Bestand an Gebäuden etwas chaotisch daherkommt, weil der Gemeinsinn fehlt.

Währenddem Barcelona, Rom und Paris zu den schönen Städten gehören, betreibt die Stadt Zürich in ihrem Westen Disruption mit einem chaotischen Stoppelfeld von wild eingestreuten Hochhäusern.

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