8 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

Wir sind in Schwamendingen, der um 1950 von Stadtbaumeister und ETH-Professor Albert Heinrich Steiner schön angelegten Gartenstadt in Zürichs Norden. Auch hier wird trotz der hohen Qualität des Bestandes Verdichtung studiert. Ein fast schon poetisch anmutendes Beispiel für urbanen Flachbau: menschlich trotz Dichte. Hier können Kinder aufwachsen, denn die Bauten haben Bezug zur Umgebung. Auch die zeitgemässe Erwartung an starke Durchgrünung ist erfüllt. 

Bild: E2A Architekten, Studienauftrag Schwamendingen

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7 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

Sind die Sockelzonen nur Obergeschosse, die plötzlich die Erde berühren, hat der Architekt versagt. Es kann nicht gut kommen, wenn zwei Welten gleich behandelt werden. Im Erdgeschoss will der Garten genutzt werden, was der 1. Stock nicht erträgt.

In der Siedlung Liebrüti in Kaiseraugst war es Ende der siebziger Jahre klar, dass die Sockelzonen der (zu) hohen Wohnbauten aus Maisonettes bestehen müssen. Damit haben die Familien sich selbst über dem Erdgeschoss mit eigenem Garten und stören niemanden und sind auch selbst nicht gestört. Hier wird die Soziologie des Wohnens spürbar – eine anspruchsvolle Angelegenheit. Maisonettewohnungen können geschichtet werden; die obere Lage verfügt dann über geräumige Terrassen. Diese Kombination ist ein wertvoller Baustein, der heute etwas in Vergessenheit geraten ist.

Bild: @joanellytibor

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6 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

Fondue: jeder und jede kennt dessen Fäden, die man entweder wickelt oder (ungeschickt) erst dann los wird, wenn man aufsteht bis sie 1 Meter über dem Caquelon von selbst reissen.

So ist es auch mit der Wohnung in der das Kind aufwächst. Ist sie zu weit von Spielplatz und Garten entfernt, bleibt der Kleine drinnen, hat zu wenig Bewegung und kann seine Sprache nicht mit den Kollegen entwickeln. Kommt er in die Schule, ist der Schaden schon da. Wie es weitergeht, wenn der Faden zu früh gerissen ist, zeigt dann das Leben.

Bild: ABZ-Siedlung auf dem Koch-Areal

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5 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

Wir springen nach Henri IV und Place Dauphine wieder um 400 Jahre vorwärts in die Gegenwart. Im Bild ein geräumiger moderner Wohnhof mit Gebäuden, die mit ihren 6 Etagen die Limite des gefühlsmässigen Bezugs zum Boden bereits übersteigen. Aussenherum fliesst nicht die Seine, sondern der Durchgangsverkehr mit seinem Lärmpegel. Diesbezüglich stellt die Siedlung Buchegg der Baugenossenschaft Waidberg mit Duplex Architekten eine grosse Leistung dar.

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4 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

«Embellissement de Henri IV», so könnte man den gekonnten Eingriff in die Stadt Paris um 1600 nennen. «zuerivitruv» bringt ihn in der Reihe des guten Wohnens im urbanen Flachbau, um Distanz zu gewinnen und die Gedanken von den lokalen Zwängen zu lösen.

Wo die Spitze der Seineinsel den Pont Neuf trifft liess der König die dreieckige Place Dauphine mit seinen Begleitbauten anlegen. Das Ganze macht eine gut fassbare Figur, welche die Stadt verschönert. Die Aussenfassaden an den Armen der Seine sind zweifarbig und prächtig. Städtebau erfüllt! Alle Treppenhäuser liegen innen am Platz. Die Fünfstöcker in Reihe beherbergen je eine überschaubare Zahl von Bewohnern, die auf 1 Tür kommen. Man kann sich kennen. Der Platzraum ist gemeinsam und vielfältig. Soziologie erfüllt!

Diese «Übung» zeigt uns in unserer gegenwärtigen Phase der herzlosen und einäugig technokratischen Massenunterbringung, was Stadtgeist bewirken kann!

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3 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

Von einer Stadt erwarten wir als Bewohner eine gewisse Vorstellung über die Weiterentwicklung des Wohnungswesens. Gegenwärtig sehen wir vor allem die gestapelte Unterbringung von Familien in Wohnsilos in der anonymen Hochhausform. Das gibt uns das Gefühl, wir alle müssten mit punktueller Überverdichtung en masse verquantet werden. 

Die Postings vom 19. bis 25. März zeigten uns, wie England stets versuchte, die erforderliche Dichte unter Erhaltung des Bodenbezugs für die Bewohner zu erreichen. Es wurde bereits angemerkt, dass für noch mehr Dichte die Reihenhäuser z.B. mit Maisonettes an erhöhten Laubengängen ergänzt werden könnten. Das Bild zeigt ein solches Projekt in Zürich Schwamendingen, das neben die Einhausung der Autobahn zu liegen kommt. Architekten: Robertneun / Penzel Valier.

Im Posting vom 4. März wurde die umwälzende Meldung gemacht, dass Paris mit der vierfachen Bewohnerdichte von Zürich leben kann, ohne zum Hochhaus greifen zu müssen. Wir erwarten deshalb, dass die Stadt Zürich künftig die Hochhäuser zugunsten dieser humanen Spur aufgibt. 

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2 – Gutes Wohnen im urbanen Flachbau

Wohnen mit Bodenkontakt ist der Normalfall auf dieser Welt. Oberes Bild: typisch England. Unteres Bild: die Wohnquartiere Chicagos nördlich der Bürocity. 

Die punktuelle Überverdichtung mit Wohnsilos in Hochhäusern, die Zürich gegenwärtig hemmungslos betreibt, ist Unsinn. Hors-Sol-Wohnen ist gesellschaftlich und soziologisch nachteilig und der Wildwuchs von Hochhäusern schadet der Ästhetik in unserem schönen Gletschertal.

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1 «gutes Wohnen im urbanen Flachbau»

Der Begriff «low rise – high density» zirkuliert bereits seit Jahrzehnten. Er markiert eine Entwicklungsstufe im Wohnungsbau des Westens nach den ernüchternden Erfahrungen mit «high rise»: Banlieue Paris, Gropiusstadt und Marzan in Berlin und die Plattenbauten des Ostens. Zwei Kriterien beendeten die Karriere des herzlosen Massenwohnungsbaus. Es ist die zu grosse Zahl, die der Mensch nur schlecht erträgt und die Loslösung von der Wohnumgebung durch Stapelung in die Höhe. Absonderung im Grossmassstab hat nicht funktioniert.

Mit dem Rezept «low rise – high density” (auf Deutsch: verdichteter Flachbau) wird Wohnen und Umfeld als Einheit gesehen. Wie das Leben sich zwischen Innen und Aussen abspielt, soll es sich auch mit dem Wohnen verhalten. Dieses Geflecht ist baulich abzubilden und nicht technokratisch die grosse Zahl allein. 

Das Bild zeigt die inzwischen schon fast zur Ikone gewordene Siedlung Kalkbreite. Auch die ängstlichste Mutter lässt hier ihr Kind nach draussen und es wird dort Freunde finden. Solche Bedingungen des nahen und direkt erreichbaren Aussenraums müssen künftig Grundlage für den Wohnungsbau werden.

Vergegenwärtigen wir uns die Abstimmungsvorlagen der Stadt Zürich innert Jahresfrist (Tramdepot Hard, Hardturm, Thurgauerstrasse und Letzi), so müssen wir mit grosser Enttäuschung feststellen, dass sich der Paradigmenwechsel zum verdichteten Flachbau nach wie vor nicht ereignet hat.

Bild: Volker Schopp / Tagblatt

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