HHLB 21: Gartenstadt Schwamendingen

Echt englische Qualitäten: Reihenhäuser entlang ruhigen Quartierstrassen. Zwischen den Reihen die Gärten und die Wege im Grün, die zu den Kindergärten und Schulen führen. Stadtbaumeister A.H. Steiner hat diese städtebauliche Erfindung übernommen und auf den damals neuen Stadtteil angewendet. Die Wohnzufriedenheit ist ausserordentlich hoch. Trotz des kantonal «befohlenen» Verdichtungsfiebers müssten diese wertvollen Stadtstrukturen nicht geopfert werden. Gewiefte Städtebauer wissen, dass sich diese wertvolle Struktur verdichten lässt. Reihenhäuser können mit offenen Erschliessungsgängen gestapelt werden. Das hat seinerzeit Rolf Keller 1984 mit «Chriesmatt» in Wangen bei Dübendorf vorgemacht. Eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Dichte ist möglich: Eine schöne Gelegenheit für einen Städtebauwettbewerb unter Architekten! Mit dieser bezahlbaren Bauform ist nicht nur eine Baumassen- sondern auch eine Einwohnerdichte möglich. Ganz im Gegensatz zu den 20-40% teureren Hochhäusern, die dann im Vergleich unterbelegt sind und unweigerlich zu Gentrifizierung führen.

Oberes Bild: A.H. Steiner 1948, unteres Bild: Amt für Städtebau 2022

HHLB 20: Strunkzone gefällig?

«zuerivitruv» graut vor den vorgeschlagenen quadratkilometergrossen 40 Meter-Hochhauszonen (hellbraun im Plan). Sie reichen im Norden von Affoltern über Oerlikon bis in das als Gartenstadt konzipierte Schwamendingen hinein. Im Südwesten sind sogar Hanglagen von Albisrieden betroffen. Hochhäuser in Hanglagen sind weltweit ein No-Go. Die 40 Meter-Bauform ist, wie das Beispiel «Hoch3» an der Birmensdorferstrasse (3 Postings ab 12. Januar) zeigt, gedrungen und plump und viel zu hoch, um sich zu integrieren. Betonungen von Kreuzungen mit einem turmartigen Zusatzgeschoss sind in Europa weitherum und seit langem als Form von Stadtgestaltung bekannt. Die 40 Meter-Bauform (13 Etagen!) ist im Vergleich dazu die Faust aufs Auge. 

Wenn wir nun schon seit Jahren vom Zürcher «Stoppelfeld» sprechen, müssen wir jetzt als zusätzliche Beeinträchtigung im Stadtbild eine Unzahl von «Strünken» gewärtigen. Nach Vorschlag des Amtes für Städtebau wartet ein chaotischer Gemischtwarenladen auf uns – ein «Birchermüesli» aus Strünken und Stoppeln. Sie ragen aus dem Gebäudehorizont und blockieren dadurch die Weitsicht. Wir müssen uns auf ein endemisches Wuchern in den übergrossen «Strünkezonen» gefasst machen.

HHLB 19: Bodenbezug

Die grosse Diskussion zurzeit: kann, soll, wünscht oder muss der Mensch in Zürich Hors-Sol-Wohnen? Machen wir einen Ausflug in die Kunst: Die Nabis, die Nachfolger der Impressionisten, befassten sich nicht mehr mit den grossen Stadt- und Landschaftsräumen. Sie konzentrierten sich auf das Innere des Hauses und dessen Umfeld, d.h. die Nachbarschaft. Das zeigte uns im letzten Herbst die überaus gelungene Ausstellung im Stadtmuseum von Bern.

Das Bild von Edouard Vuillard veranschaulicht die Intimität der Nachbarschaft – wie und wo sich der Mensch aufhält. Kiosk, Parkbank, im Hintergrund die 5 1/5-geschossigen Wohnbauten nach Prinzip Haussmann (eine der vielen Erscheinungsformen des «verdichteten urbanen Flachbaus»). Der Boden ist die Bezugsebene der urbanen Zivilisation. Die verbindende Öffentlichkeit – in Europa über Jahrhunderte ausgeprägt und raffiniert. Von Leben erfüllte Alleestrassen, Plätze und Pärke. Das städtische Wohnen und Leben. 

Was soll in Zürich – ohne Not – das Hors-Sol-Wohnen mit seinem Nadelöhr des Lifts? Paris weist, wie schon oft in diesen Postings gesagt, vierfache Einwohnerdichte von Zürich auf. Ohne Hochhäuser. Zürich muss noch lange nicht zum Hochhaus als Stapel- und Entfremdungsform des Wohnens greifen. Die Bewohnerschaft von Zürich «muss» also nicht!

HHLB 18: Das falsche Menu

Wir sind in einer direkten Demokratie – niemand kann uns zwingen, das falsche Menu zu essen. Wir können es zurückweisen und ein besseres verlangen.

2019, als die Arbeit an der Revision des Hochausleibilds von Zürich begann, konnte man noch die Meinung haben, gut platzierte Hochhäuser könnten Sache der Zukunft sein. Doch schon damals eine Meinung unter vielen andren. Über klimagerechten Städtebau spricht man schon seit Jahrzehnten. Oft waren auch Überlegungen des guten lebenswerten Wohnens dabei. Rob Krier (Postings vom 1., 2. Und 3. Dezember) formulierte das dichte europäische Stadtgewebe in Realität und in der bildlichen Vision sehr schön: lebenswertes bodenbezogenes Stadtgewebe, statt isoliert stehender Türme. 

Zürich verschläft den Anschluss an den klimagerechten Städtebau, indem es ausgerechnet in unserer Zeit eine 2. Stufe des Hochhausbaus zünden will. Es braucht Mut, mit genügender Distanz zu überlegen, ob es nicht besser wäre, zurückzuweisen und damit den Weg für eine bessere Zukunft freizumachen.

HHLB 17: Die Dubai-Zone

Die Hochhäuser in Wuhan finden kurz nach der 20. Etage ein oberes Ende. Aus konstruktiven und aus Kostengründen. Damit war eine Höhe von ungefähr 60 Metern erreicht. Dubai setzt mit seinen Ölmilliarden andere Massstäbe und will damit die ganze Welt ausstechen. Mit dem Burj Khalifa wurden vorerst einmal 800 Meter erreicht. Will der Zürcher Hochbauvorstand André Odermatt (SP) mit seiner Stadtbaumeisterin Katrin Gügler gleichziehen? Schlagen sie darum zwischen Gleisfeld und Limmat eine 3.5 km lange «Dubai-Zone» mit unbeschränkter Höhe vor?

Diese «Dubai-Zone», die im letzten Februar noch eine Höhenbegrenzung (von ¼ Kilometer) hatte, ist Bestandteil der aktuellen Revision des Hochhausleitbilds (HHLB). 

Da gibt es zwei Fragen: 

Was tut sie den Nachbarschaften an, die sie vor die Nase bekommen?

Was tut sie unserer ganzen Stadt im offenen Gletschertal an?

Oberes Bild: die Dubai-Zone schwarz gestreift

Herrschende und neue Vektoren

Mit Vektoren können wirkende Kräfte dargestellt werden. Der Vektorpfeil bedeutet Kraft und Richtung: Z.B. Investition und Gewinn, bezahlbares Wohnen, genügend Wohnraum, angenehmes Wohnen, angenehme Stadt, schönes Stadtbild, und vieles mehr. Neu im Spiel ist der Vektor des Stadtklimas und der Vektor der Ökologie. Werden die neuen Vektoren nicht beachtet, schlägt die Natur durch das Klima mit der Zeit auf unsere Zivilisation zurück. Der neue Vektor müsste durch politischen Entscheid zur Geltung kommen. Von rechts über grün bis links ist die grundsätzliche Notwendigkeit des Einbezugs der neuen Kräfte unbestritten. Im Städtebau heisst das «verdichteter ökologischer Städtebau» und praktisch heisst das «urbaner Flachbau» mit 4-6 Etagen in möglichst stark durchgrünten Stadtteilen.

HHLB 16: Opferquartiere

Aussersihl, Industrie, Altstetten, Albisrieden, Wiedikon, Leimbach, Oerlikon, Affoltern, Schwamendingen, Oberstrass, Fluntern sind die von Hochhauszonen betroffenen Quartiere. Die einen erhalten eine Hochhauszone mit unlimitierter Höhe, zwei Zonen erstrecken sich entlang der Limmat, vier breiten sich an Hanglagen aus.

Die grösste Fläche bedeckt die hellbraune 40 Meter-Zone. Ein Prototyp einer solchen Störung im Stadtbild verkörpert das dunkle Eckgebäude «Hoch3» an der Birmensdorferstrasse, wie in den Postings vom 16. 13. und 12. Januar beschrieben. Solche, aus Verlegenheit als «Akzente» beschriebene Fremdkörper, können sich ungehemmt am Uetliberghang, in der Gartenstadt Schwamendingen und in Zürich Nord ausbreiten. 

Der Gartenstadt Schwamendingen wäre mit gestapelten Reihenhäusern besser gedient und die grossen Hanglagen am Uetliberg könnten terrassiert bebaut werden, wie es die Siedlung Grünmatt vorgemacht hat. Beides sehr dichte Bauformen!

Da Hochhäuser gemäss dem Zonenplan der Stadt Zürich keine Mehrnutzung gegenüber der Regelbebauung aufweisen dürfen, ist der Grund nicht ersichtlich, warum solche aus dem Stadtbild herausragende «Stumpen» gepusht werden sollen. Aus einer grösseren Optik gesehen sind gestreute Stumpen nicht Beitrag sondern Schaden für unser Stadtbild. Das revidierte Hochhausleitbild ist abzulehnen.

Die Unterschriftensammlung für die Uferschutzinitiative läuft unter: 

www.uferschutz.ch  oder über:  https://collect.campax.org (uferschutz)

HHLB 15: das Dichteoptimum

Der Städtebauforscher Michael Mehaffy hat einen Gedanken formuliert, der für Zürich interessant ist. Er fragte sich und forschte, wo das urbane Dichteoptimum liege. Dichte, Bewohnbarkeit, Baukosten sind die Parameter. Wie er sagt, biegt die Kurve oberhalb eines Optimums ab. Wird mit dieser Erkenntnis nach Stadtteilen gesucht, finden sie sich u.a. in London, New York und Paris. Das sind die Teile dieser Städte, die im sogenannten urbanen Flachbau erstellt wurden: die «Haussmannniennes» mit 5 1/2 Etagen in Paris, die Brownstone-Quartiere New Yorks (und Brooklyns) mit 2-5 Etagen und die grandiosen Reihenhausquartiere Londons in den Stadtteilen Belgravia, Kensington, Chelsea und Notting Hill (zuerivitruv ab 19. März 2021). Die Dichten sind hoch, die Lebensqualität ebenso. Das Hochhaus kommt nicht vor. 

Es wäre wünschbar, wenn sich unser Amt für Städtebau mit solchen Forschungen auseinandersetzen würde, bevor im Blindflug das in den letzten zwanzig Jahren nicht erfolgreiche Hochhauskonzept um weitere Jahrzehnte verlängert wird.

Bilder: Hamburg & Niederlande