Eira und Vallila

Nach dem Krieg pilgerten junge Architekten für ihren ersten Job nach Finnland um bei Alvar Aalto zu arbeiten. Mit positiven Folgen für eine humanistisch orientierte Architektur. Trotzdem: Die Kenntnis der Stadt Helsinki ist bei uns ausgeblieben. Die zwei Bilder zeigen den Stadtteil Eira im Zentrum an der baltischen See gelegen und Vallila. Beide gehen sehr schön mit Grün um. Beide erfüllen den Traum von «zuerivitruv», nämlich von Haus & Baum als gleich hohe Stadtpartner. Selbstverständlich gibt es für die Gebäude – wie in Paris – einen Höhenplafonds. Das gilt übrigens auch seit Anbeginn für die Zürcher Bahnhofstrasse.

Beide Quartiere haben sich – meist ohne neu zu bauen – weiterentwickelt. Sehen Sie in der rechten Bildhälfte das Garten-Schach im begrünten Innenhof. Die Beispiele stehen für Durchgrünung und Verbesserungen des Lebensraums in der bestehenden Bausubstanz. 

Auf den Weg der zeitgerechten Stadtentwicklung

Wir haben zur Genüge gesehen, dass die meisten der jüngeren Projekte in die falsche Richtung zielen: in die Höhe, weg vom eigenen Wohnumfeld, über den Horizont der Bäume hinaus. Dies geschieht ohne Not, denn die Ausnützungsziffer begrenzt die Flächenausbeute aus den Grundstücken. 

Es gibt keine menschenfreundliche Begründung für das Hochhaus.

Der Bezug zum Umfeld, die wirkungsvolle starke Durchgrünung, energiesparende Bauweise führen zu Lösungen im sogenannten urbanen Flachbau. Kein Strömungshindernis behindert den Luftaustausch und die Fallwinde von den umgebenden Hügelzügen können das Pavé der Innenstadt erreichen.

Das wäre einmal eine erste Auslegeordnung. «zuerivitruv» wählt als Beispiel, das genau diese Ziele angestrebt hat, die Siedlung Leutschenbach der Genossenschaft «Mehr als Wohnen» mit gegen 400 Wohnungen. Adresse: Hagenholzstrasse 104, 8050 Zürich.

Paradigmenwechsel mit Jan Gehl

Genug von «Hochhaus-doomsday». Auf das schöne Wochenende hin bringt «zuerivitruv» mit der angekündigten Vorstellung eines Paradigmenwechsels die längst fällige Aufhellung. Dies geschieht mit dem dänischen Städtebau-Philosophen Jan Gehl und seinem Nachfolger David Sim. Im Bild sehen Sie die Buchempfehlung. Was Jan Gehl einst entwickelt hat, ist von David Sim aktualisiert worden. «zuerivitruv» empfiehlt diese Städtebauliteratur allen Mitgliedern des Gemeinderats und insbesondere denen der Kommission Hochbaudepartement ganz herzlich. 

Wie im letzten Posting gesagt, kann ein Bündel von Leitsätzen obsolet werden und ist in dem Falle durch neue Leitsätze zu ersetzen: ein Paradigmenwechsel. Der Kleinstaat Dänemark hat mit Jan Gehl einen Schritt in eine in jeder Hinsicht weniger gewalttätige Zukunft von Planung und Bau gemacht. Sie werden sehen, das Soziale des Wohnens, Energie und Klima sind im Gleichgewicht. Wie selbstverständlich bleibt auch das europäische Stadtbild erhalten. Die Lieblingspointe von «zuerivitruv» ist auch dabei: Die Grossbäume und die Häuser bewegen sich im selben Höhenplafonds.

Wann kommt der längst fällige Paradigmenwechsel?

Einmal ganz künstlerisch und abgehoben: «achat8» hat ein Weichbild mit den Hardau-Türmen im Gegenlicht auf Instagram gepostet. «zuerivitruv» hat den Hügelzug unseres Gletschertals, der sich aus dem Häusermeer erhebt, blau akzentuiert und die Horizontlinie rot betont.

Auf dieser Grundlage können wir uns Gedanken darüber machen, ob es richtig ist, angesichts des längst fälligen Paradigmenwechsels im Planungs- und Bauwesen, mit disruptiven Türmen weiterzufahren.

Paradigma ist ein geltendes und oft angewendetes Bündel von Leitsätzen. Es kann   obsolet werden und ist in dem Falle durch neue Leitsätze zu ersetzen. «Zuerivitruv» wird darüber berichten.

Eignungstest

Ein leicht artikuliertes Häusermeer ist kennzeichnend für die europäische Stadt. Sie liegt natürlich in ihrer Landschaft – in Zürich besonders ausgeprägt in den Hügelzügen des Gletschertals. Die Artikulation – das Herausragen – steht den Gebäuden von öffentlicher Bedeutung zu. Besonders schön «sichtbar» in Paris mit der Notre Dame und dann dem Eiffelturm, dem Grand Palais und dem Centre Pompidou und der Bibliothèque Nationale. Das sind würdige Städtebauregeln einer Stadt, die sich auch lange nach den Königen (1792) und den Kaisern (1870) stets im Griff hat.

Ist es richtig, dass sich unsere Stadt im Glacier-Valley für einen Wildwuchs von kommerziellen Hochhäusern hingeben muss? Schreiben Sie Herrn Stadtrat André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements.

Der Stadthorizont geht alle etwas an

Wenn wir schon bei Placement-Türmen und unserer Stadtsilhouette sind: «zuerivitruv» hat das visuelle und damit verbunden das seelische Klima untersucht und im Bild zur Darstellung gebracht. Wie Sie sehen, sind die seit 2002 heranwachsenden Placement-Türme nicht harmlos. Wir werden (lebend) eingemauert. Die Vulcano-Türme in der linken Bildhälfte.

Ist es in unserem Sinn, die sanften Silhouetten, die Zürich mit seinem Gletschertal geboten werden,  zuzuklittern? Wollen wir Ameisen zwischen Wänden und Türmen werden und den weiten Himmel verlieren? «zuerivitruv» denkt: 

  • Wir haben ein besseres Schicksal verdient, 
  • Stadtbild ist Allgemeingut.

Zürich – eine Placement -Stadt?

Das letzte Posting zeigte verschiedene Herangehensweisen an die Bebauung und Verdichtung in der Stadt: Mit Würde und dem Mieter im Sinn einerseits und als eiskaltes Placement auf Kosten der Stadt anderseits. Vergessen zu sagen hat «zuerivitruv», dass es sich bei den drei schwarzen Türmen um das Placement «Vulcano» im Stadtquartier Altstetten handelt.

Mieter findet heutzutage jedes Objekt und fast zu jedem Preis. Diese «Nische» nutzt Vulcano geschickt – wenigstens für die Gegenwart. Dass unser Hochbaudepartement solche Projekte befürwortet, statt ablehnt, kann via Google (Vulcano) eingesehen werden. Die Direktorin des Amtes für Städtebau – unsere Stadtbaumeisterin – lobte die Bebauung! Wir erkennen, woran wir sind. Wir erkennen auch, dass wir in Zürich für einen vernünftigen Städtebau kämpfen müssen. Hat die Bürgerschaft das Baugeschick in der Hand, oder soll unsere Stadt zu einer behördlich geförderten Spielwiese für Placements verkommen?

In Klammer: Im Hochschulgebiet gelang es bekanntlich einer Bürgergruppe durch rechtliche Schritte eine 600 Meter lange Wand von 50 Meter hohen Bauten so zu zivilisieren, dass sie jetzt einigermassen in die Hanglage passt. Bei der konstanten Abwesenheit von städtebaulicher Kompetenz der kantonalen und der städtischen Behörden blieb nur die private Initiative. Darf die Bürgerschaft künftig auf seinen Gemeinderat hoffen? 

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Bauen mit Stolz oder nur Placement?

Bis zum 1. Weltkrieg war es in Zürich selbstverständlich, mit Stolz und Dekor zu bauen. Man kann sogar von einem Wettrennen um die Gunst der Mieter sprechen. Sehen Sie sich eines der vielen Beispiele an der Ottikerstrasse im Kreis 6 an (Bild links). Dichtes Wohnen, wohlverstanden.

Die ökonomischen Bedingungen änderten sich und die frühe Moderne produzierte mit dem Neubühl in Wollishofen und dichter mit dem Hohenbühl beim Kreuzplatz Musterbeispiele der Wohnlichkeit, auch für Familien.

Unsere Gegenwart stapelt Menschen in «Placements» in die Höhe. Das sind eiskalte Anlageplatzierungen für anonymes Grosskapital. Bevorzugt wird das Hochhaus zusammen mit Bausummen von über 100 Millionen Franken. Das Bauamt ist willfährig und bewilligt pünktlich. Wenn nötig mit einem Gestaltungsplan. Städtebauliche Überlegungen gibt es keine mehr.

Es ist vorstellbar, dass das Bauamt einer zivilisierten europäischen Stadt die Grossinvestoren im Interesse der Bürgerschaft lenkt. Das hat vor bald 170 Jahren Georges Eugène Haussmann in Paris begonnen und bewiesen: Mit klugen städtebaulichen Vorgaben und Bauregeln, die in der Anwendung über Jahrzehnte höchste Qualität erzeugten.

Zürich hat seit dem Erlass der Hochhauszonen 2002 ein «Stoppelfeld» produziert, das dem Charakter seines offenen Gletschertals zuwiderläuft. «zuerivitruv» meint: Städtebau und Architektur muss wieder gewinnen, damit die Kapitalinvestitionen zum Nutzen der Stadt platziert werden.

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