Kensington, Notting Hill & Chelsea

Das natürliche Ziel des Menschen sollte es sein, ein Paradies auf Erden zu schaffen.
Warum hat London so schöne Wohnquartiere? Das ist eine 19. Jahrhundert- Baumeisterstory. Da wurden Groves, Crescents, Mews und kleine Squares geschaffen. Baumeister überlegten sich, «was gefallen könnte». Herausgekommen ist kommerzieller und kultureller Erfolg zugleich: Schöne blühende und dichte Wohnquartiere. Die Individualität stand im Vordergrund.

Gegenwärtig in Zürich: viel kommunaler Wohnungsbau. Aber meistens nach dem falschen Muster: DDR / Banlieue / in Hochhäusern kasernieren. Es weint die Seele der Bewohner, es weint das Kind, es weint das Quartier und es weint das Stadtbild. Im Vordergrund steht die Massenuterbringung.

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Das vergessene Stadtbild «Glacier Valley»

Zürich ist stadtbildschwach geworden. Das könnte in der Schule begonnen haben – in den fünfziger Jahren hiess das Fach «Realien». Heute ist kaum mehr etwas davon übriggeblieben. Wird jedes Hochhausprojekt in den Abstimmungen durchgewinkt weil sich diese Schwäche der Stadtseele auf die Bevölkerung übertragen hat? «zuerivitruv» will da aber nichts behaupten. 

Anfänglich genügte der See als Gestaltungselement und die Antwort darauf mit den grossartigen Quaianlagen 1885. Dann wurde die Bahnhofstrasse angelegt – vom neuen Bahnhof bis zu den Schwänen. Ein Höhenplafonds für die Gebäude und eine grosszügige Portion Paris-Stil begründete die Ästhetik der berühmt gewordenen Strasse. Es folgten die Wohnquartiere Enge, Aussersihl, Zürichberg und Seefeld.

Gestaltungsschwach fiel dann das grosse Gebiet des Sihlfelds aus; einschliesslich der dortigen Eingemeindungen. Die Zeit der Auflösung und Freigabe des Industriequartiers fiel mit dem Erlass von Hochhauszonen zusammen und Zürich West wurde deren leichte Beute. Der unkontrollierte Wildwuchs machte das «Zürcher Stoppelfeld» innerhalb von 20 Jahren zur beklagenswerten Tatsache. 

Hätte 1983 der damals sehr progressive Stadtzürcher Heimatschutz nicht die «Hochhausausschlusszone Innenstadt» in einer Abstimmung durchgebracht, wäre auch der historische Zentralbereich heute ein Stoppelfeld. Alles zeigt: Zürich braucht jetzt einen Paradigmenwechsel und mutige Akte des Städtebaus!

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Havocim «Glacier Valley»

«zuerivitruv» würde seinen aufmerksamen Leserinnen und Lesern gerrne erbauliche Bilder bringen, doch hat er das viermalige Durchwinken von unmenschlichem Silowohnen in den letzten zwölf Monaten an der Urne noch nicht verkraftet. Es braucht noch das Gesamtbild der Katastrophe. «zuerivitruv» hat sich einen Spass geleistet und aus dem fernöstlichen Land der Wohnsilos ein Beispiel eingeschmuggelt.

Es geht weiter in diesem Stil und man erhält den Eindruck, dass in Monatskadenz ein neues Hochhaus – ob von privater oder öffentlicher Hand – angekündigt wird. Dieser ausserordentlich aktive technokratische Ungeist hat weder Sinn für qualitativ gutes Wohnen noch Sinn für das Stadtbild in der einmaligen Landschaft mit Hügelketten und See. Das Kind schreit zusammen mit Stadtbild und Landschaft. «zuerivitruv» fragt seine Leserinnen und Leser: Darf es so weitergehen? Sind Sie einverstanden? oder ist Widerstand angesagt?

Meaning of Havoc in the Cambridge English Dictionary:
Confusion and lack of order that result in damage or trouble: 
The storm created complete havoc in the Park.

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Architectur without Architects

Sie sehen die pikante Anpassung des Titels gegenüber dem letzten Posting. Die glückliche Innen-Aussen-Beziehung, die wir auf der Insel Procida gesehen haben, ist auch nördlich der Alpen möglich. Die durch Architekten geplante Siedlung «Im Hegi» am Friesenberg aus dem Jahr 1925 zeigt uns, wie Wohnbaugenossenschaften stets auf dieses Urbedürfnis des Menschen geachtet haben. Die Qualität der Innen-Aussenbeziehung zu wahren wird bei grösserer Baudichte anspruchsvoller und kann bis und mit 3, maximal 4 Etagen sichergestellt werden. «zuerivitruv» hat am 29. Januar mit der Grosssiedlung «Grünmatt» am selben Hang des Üetlibergs ein sehr schönes Beispiel gebracht.

Alle neuen Wohnsiedlungen der Stadt Zürich, über die wir letzthin abstimmen konnten, fallen bezüglich Innen-Aussen-Beziehung durch. Wenn in der Siedlung «Letzi» kinderreiche Familien in einer langen 8-stöckigen Wohnzeile untergebracht werden, ist dies der krasseste der Fälle in der Schaffung von ungeeignetem Wohnraum durch die öffentliche Hand. Das weckt Erinnerungen an den rücksichtslosen staatlichen Wohnungsbau hinter dem eiserenen Vorhang.

Bild: NZZ 12. März 2021 

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Architectur without Architects

1964 löste die Ausstellung und das Buch mit diesem Titel am MoMa (Museum of Modern Art, New York) eine kleine Schockwelle aus. Sie wurde weltweit gezeigt und überraschte mit dem kulturellen und funktionalen Reichtum der sich direkt aus den Bedürfnissen des Lebens nährt. Verfasser: Bernard Rudofsky. 

Nach den im vorletzten Posting aufgezählten vier verunglückten Volksabstimmungen ist das Thema deshalb interessant, weil es uns aus Distanz demonstriert, wie die Naturkräfte im Menschen direkt seine Bauten formen. «zuerivitruv» wählt die Insel Procida bei Neapel. Die beiden Beispiele zeigen, dass der Mensch einschliesslich seiner Kinder nur eines will: möglichst direkt hinein- und hinausgehen können. 

Das neue Zürcher Silowohnen, das die Bewohner auf 8, 24 und 46 Etagen hinauf stapelt, ist völlig gegen die Natur.

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Hartherzige Stadt – Die Spielkonsole hat gewonnen

Die Volksabstimmung vom 7. März über die Siedlung «Letzi» lässt die Stadt Zürich in hartherzigem Licht erscheinen:

• Kinderreiche Familien werden in die Höhe gestapelt und damit vom Wohnumfeld getrennt. Violett zeigt den Hors-Sol-Bereich, gelb den Bereich mit Bodenkontakt. Das heisst im Klartext: Spielkonsole, Bewegungsarmut, Kontaktunfähigkeit im violetten Bereich.

• Den Alten soll es auch nicht besser gehen, sie werden bis auf 24 Etagen hinauf mit Isolation bestraft. 

Bereits im letzten Jahr zeigte die Stadt Zürich in drei Volksabstimmungen reichlich Hartherzigkeit: Tramdepothochhäuser (20 Etagen), Hardturm (46 Etagen), Thurgauerstrasse (5 Wohnsilos mit bis zu 23 Etagen). Alle Projekte für Wohnungsbau.

StimmbürgerInnen verfügen nicht über Fachwissen und denken zuerst an Wohnungsnot. Verantwortungslos ist es jedoch von den Behörden, am laufenden Band falsch konzipierte Siedlungen zur Abstimmung zu bringen. Vom langfristigen Schaden für das Stadtbild und dem klimatischen Aspekt von aufgetürmten Bauvolumen haben wir noch gar nicht gesprochen.

Wie weiter mit Zürich?

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«Glacier Valley» Grob Schlächtigkeit im Zürcher Städtebau

Im Paris mit seinem raffinierten durch kluge Regeln gewachsenen Stadtgewebe sind sogar die etwas groben Kreuz- und Querbauten auf der Île de la Cité auf Widerstand gestossen und haben seinerzeit zur Absetzung von Haussmann beigetragen. Respekt hat man jedoch der wundervollen dreieckigen Bebauung der Place Dauphine am Spitz der Insel gezollt. Beides zeugt von Klugheit und grosser Sensibilität.

Mit etwas lateralem Denken könnten wir auf folgenden Schluss kommen: 
«Bei den im letzten Posting gezeigten Verletzungen im Stadtbild von Zürich hätte schon lange auch unsere Regierung abgesetzt werden müssen.»

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«Glacier Valley» Zürich ein Möchte gern?

Z ü r i c h e i n M ö c h t e g e r n ? 

Zürich hat eine Bevölkerungsdichte von 4’800 Einwohnern pro km2.
Paris hat eine Bevölkerungsdichte von 20’500 Einwohnern pro km2.

Paris ist vier Mal dichter bebaut, hat kaum Hochhäuser und deshalb seinen berühmten offenen Himmel. Ein städtebauliches Kunststück!

Zürich weist einen Viertel der Dichte von Paris auf und meint auf Hochhäuser machen zu müssen, kerkert sich damit ein, verliert die Weite und verbaut seine Horizonte, die Hügel und die Alpen. Eine Blamage!

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