Roma

Das übergross geratene «Vittoriano», ein Monument für die Nation, das die Einheimischen «Macchina da scrivere» nennen, wurde um 1911 wenig sensibel ins Geflecht der Stadt «geklonkt». Es erdrükt das dahinter liegende Kapitol mit den beiden Konservatorenpalästen und der Piazza mit dem Bogenmuster. Alles von Michelangelo.

Im grossen Ganzen überlebt die auf den sieben Hügeln verteilte Stadt den Eingriff. Eine topographisch bewegte europäische «Townscape» kann einiges schlucken.

«zuerivitruv» fragt: Gilt das auch für den Prime Tower und Zürich?


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Thun

Auch «zuerivitruv» will verschiedene Massstäbe und Settings von europäischen Städten erfahren und darstellen – nicht nur Paris. Hier die Alpenrandstadt Thun. Altstadt, neuere Stadt und der etwas entferntere See bilden eine bewegte Einheit, die verschiedene Epochen abbildet. Dem Schloss in Hochlage hat man seine dominante Rolle gelassen.

Bild: i_love_switzerland


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Zukunft durch Geometrie

Im letzten Posting nicht gesagt: Es gibt eine zweite Achse, die im Arche de la Défense die erste in einem spitzen Winkel schneidet. Der Schnittpunkt macht den Ort. Das wissen nur die wenigsten. «zuerivitruv» verrät ein Geheimnis. Der Eiffelturm steht in der Achse des Champ de Mars aus dem 18. Jahrhundert. Am jenseitigen Ufer der Seine antwortet die Lobster-Zangenform des Palais de Chaillot, erst 1937 fertiggestellt. Das ist eines der Geheimnisse von Paris: Da wird (wie zuvor auf der Achse des Louvre/Champs Elysées) dauernd weiter-konzipiert! Das Wachstum will eine Form. Formlosigkeit kommt in Paris nicht in Frage, in Zürich schon.

Dann verliert sich die Achse – bleibt sozusagen «geheim» während der Durchquerung ganzer Stadtteile und des Bois de Boulogne. Doch erscheint sie wieder 1967, als beschlossen wurde, das Geschäftszentrum «Défense» zu errichten. Ganz ohne Könige und Kaiser. Niemand verlangt von Zürich solch intellektuellen Städtebau. Doch sollten wir als europäische Stadt zumindest eine gewisse Ordnung und Würde erreichen können.

Bild: parisincredible


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Ordnung und Freiheit

Wir haben Reisezeit. «zuerivitruv» bleibt noch ein wenig bei den Stadtbildern. Zuvor sahen wir Paris mit den sanften und natürlichen Kurven der Seine. Jetzt kommt die Geometrie: Grosse öffentliche Plätze und Pärke werden von den Champs Elysées durchstossen. Die Tuilleriengärten vorne, dann links der grösste Ausstellungsbau der Welt (Grand Palais) mit seinem Glasdach, kaum sichtbar der Arc de Triomphe, dahinter die überbreite Avenue Foch, die einen Zipfel des Bois de Boulogne touchiert und die Verlängerung über die wiederkehrende Seine hinaus. Dort wird die Achse im Arche de la Défense aufgefangen. Das ist der Mittelpunkt um den herum sich die Bürobauten, des zweitgrössten Geschäftszentrums von Europa gruppieren.

Warum erzählt «zuerivitruv» diese Geschichte?: Der chaotische Wildwuchs in Zürich West und Nord soll mit einer qualifizierten Planung kontrastiert werden. Die ewige Entschuldigung mit den Königen von Frankreich gilt schon lange nicht mehr. Planen, Lenken, oder Basteln – das ist die Frage. Der Staat hat eine städtebauliche Idee, gibt vor und die Wirtschaft verwirklicht sich darin. Alle gewinnen.

Bild: parisincredible


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Grosszügige Stadtlandschaft als Allgemeingut

Nach den letzten sechs erdrückenden News aus der Zürcher Bauszene ist es wieder einmal Zeit, anhand von erfolgreicheren Konzepten Hoffnung zu schöpfen und damit ins Wochenende zu gehen. Weil es in Paris nur Monumenten und Bauten von öffentlichem Interesse erlaubt ist, den Gebäudehorizont (le Gabarit) zu übersteigen, bleibt das Stadtbild gut lesbar und der Himmel weit und offen. Die ganze Vielfalt der Stadtgestaltung spielt sich innerhalb des Gabarit ab. Im Vordergrund mit der Glaspyramide die Erneuerung und Aufwertung im Hof des Louvre, links der ehemalige Bahnhof Orsay, der zum Museum mutiert ist, an der Seine rechts und hinten der Pont Alexandre mit seinen vier Pylonen. Der Eiffelturm und im Bild nicht sichtbar, der Grand Palais, das Centre Pompidou und natürlich die Notre Dame, die alle überragen dürfen.

Carceri

Zürich ist daran, im Tunnelblick von Ausnützung und Verdichtung – überaus eifrig und unüberlegt – seine Identität als Stadt im schönen und weiten Gletschertal zu verlieren. Situationen wie im Bild links werden zunehmen; die Silhouetten der Türme werden sich überschneiden und zu undurchdringlichen Wänden zusammenschiessen. Das weite Gletschertal wird uns weggenommen.

«Carceri» heisst eine Serie von Radierungen, die der römische Archäologe, Künstler und Architekt Giovanni Battista Piranesi im 18. Jahrhundert geschaffen hat. Das Bild rechts zeigt eine seiner eine Architekturphantasien, die sich erstaunlich gut dazu eignet, die Verengung von Blick und Seele durch aufragende Wände zu veranschaulichen: Tägliche Trostlosigkeit tritt an Stelle des aufmunternden offenen Blicks über die Dächer der Stadt hinweg in die Landschaft hinaus. 


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Zürich baut sich eifrig Sichtbarrieren

Nach dem Fussballintermezzo vom vorletzten Posting fährt «zuerivitruv» mit den visuellen Stadtbetrachtungen weiter. Es war schon viel davon die Rede, dass wir den Bezug zur Landschaft verlieren, wenn sich einzelne Gebäude über das Häusermeer erheben, geschweige denn ganze Gruppen. 

Doch was verlieren wir wirklich damit? «zuerivitruv» versucht, zu beschreiben:

  • Erstens können wir den Zusammenhang zwischen Stadt und Umgebung nicht mehr erkennen; die Landschaft schwindet aus der kollektiven Gegenwart.
  • Zweitens wird es für uns selbst eng – wir sehen statt in die Weite nur noch bis zu den nächsten Türmen. Es kommt zu einer visuellen Einkerkerung, die seelisch spürbar ist.
  • Folge davon ist ein horizontloses Ameisendasein im kleinen Distanzbereich.
  • Folge davon ist auch, dass wir die Stadt als schönen und angenehmen Ort des Lebens verlieren. Die Stadt Zürich zehrt dann am täglichen Leben, statt es zu stützen.
  • Zürich verliert seine ikonische Identität als Stadt in den sanften Hügeln des weiten Gletschertals. Das führt zu Einbussen seiner Reputation.


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Sphinx am Uetliberghang

Gegenwärtig ist in Zürich alles erlaubt, fast überall. Das nächste Hochhaus ist angekündigt. «Überall», denkt man, wenn sogar in den Hanglagen, wo alles dagegen spricht, dieses abgebildete Hochhaus gebaut werden darf. Man kann nur hoffen, dass das Triemlispital reagiert und die Genossenschaft Rotach, der die mustergültige Siedlung nebenan an der Paul-Clairmontstrasse gehört. Wir haben hier erneut einen Fall eines «Rüppels», der sich der anständigen Nachbarschaft aufdrängt, die sich an die Bauordnung hält. Ein solches Schicksal kann gegenwärtig in Zürich jedermann treffen. Siehe dazu auch das Posting vom 17. April 2021.

In Hanglagen müssen aus Gründen von Fallwinden, die die Stadt kühlen, alle Strömungshindernisse verhindert werden. Eine engagierte Gruppe, die sich im «Verein Zukunft Hochschulquartier» formierte hat erreicht, dass im Milliardenprojekt der Hochschulen und des Universitätsspitals die Gebäudehöhen um bis zu 35 Meter reduziert worden sind. Aus Klimagründen und aus Gründen des Stadtbilds.


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