Crescent und Circus

«zuerivitruv» kann es nicht unterlassen, nachzudoppeln: Dieser Individualismus in England ist raffiniert. Vorne stramm, hinten macht man was man will. Vorne nimmt man an der Gesamtfigur in der Stadt teil, hinten ist privat und frei. Das ist eine «Sowohl-als-auch-Konstellation» von hoher zivilisatorischer Qualität. Das mit Datum 1750 frühe Beispiel stammt aus der englischen Stadt Bath. Vorne der «Crescent» (Halbmond), hinten der «Circus» mit grossen Bäumen in seinem Zentrum.

Der schalen Zürcher Siloprojekte aus jüngster Zeit müde, hat «zuerivitruv» das starke Bedürfnis nach besseren Ideen und möchte konstruktiv werden und nicht nur anklagen.

Natürlich kann man behaupten, dass das Reiheneinfamilienhaus keine hohe Dichte erlaube. ETH Professor für Städtebau Kees Chrisiaanse würde das aber vehement bestreiten. Er machte die Aussage, dass er mit dem Reihenhaus die Dichte von Hochhäusern erreicht und dass das in der Schweiz nicht genügend versucht wurde. 
Doch: Ganz so verlegen müssen wir nicht dastehen, denn wir haben am 3. und 29. Februar bereits die Siedlung «Grünmatt» am Friesenberg kennen gelernt. Sollte die Dichte nicht reichen, kann das Reihenhaus gestapelt werden. Die untere Partie hat den Garten, die obere die Dachterrasse.

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Individualität & Townhouses in London

Ob Flieder, Kirschblüten oder Glyzinien wie im Bild, jeder hat seinen Stolz und damit seine dezente Präsenz im Stadtbild. Die Häuser, die sie «Townhouses» nennen, sind schmal, denn der Baugrund in der Stadt ist beschränkt. Doch hat mit dieser klugen Disposition jeder seinen eigenen Eingang. Besser noch: hinter dem Haus hat jeder einen Streifen lauschigen Garten und die Rückfassaden lassen sich ganz nach eigenen Bedürfnissen herrichten. 

Baumeister und Architekten haben sich auf das Bedürfnis, das jeder gesunde Mensch hat, eingestellt: Individualität. Eigenen Ausdruck in einer Stadt zu erreichen, ist Zeichen einer gut entwickelten Zivilisation, die Glück verspricht. Dazu passt die Aussage des amerikanischen Architekten Louis Kahn: «Man lives to express».

Jede Gesellschaft hat die Architekten – oder die Bauämter – die sie verdient.

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Notting Hill

Da weint kein Stadtbild, da weint kein Kind. Die «Terraces of Townhouses», das sind Reihen von Stadthäusern, möblieren gradlinige «Groves» und gekurvte «Crescents», zeigen oft «Porticoes» zur Strasse und verfügen über lauschige Gärten hinter den Häusern. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konzipiert sind diese von privaten Unternehmern erbauten Quartiere nach grossem Auf und Ab durch die Geschichte heute wieder sehr begehrt. Es ist ein völlig anderes Muster als das von «zuerivitruv» schon viel gelobte von Paris.

Wenn der behördengestützte Zürcher Wohnungsbau 150 Jahre später Paroli bieten will, muss er auf das hochstapeln und anonymisieren der Bewohner in Hochhaus-Silos verzichten, denn Bewohner dürfen nicht von ihrer Umgebung getrennt werden. Er muss mindestens die kleine und damit menschliche Zahl pro Hauseingang anbieten. Das wären z.B. 10 Wohnungen im fünfstöckigen Haus und nicht 100 (Thurgauerstrasse) bis gegen 1000 (Hardturm) pro Haus.

Was Zürich braucht ist eine bessere Wohnbaupolitik: Nicht nur gestapelte Masse, sondern auch Klasse.

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Kensington, Notting Hill & Chelsea

Das natürliche Ziel des Menschen sollte es sein, ein Paradies auf Erden zu schaffen.
Warum hat London so schöne Wohnquartiere? Das ist eine 19. Jahrhundert- Baumeisterstory. Da wurden Groves, Crescents, Mews und kleine Squares geschaffen. Baumeister überlegten sich, «was gefallen könnte». Herausgekommen ist kommerzieller und kultureller Erfolg zugleich: Schöne blühende und dichte Wohnquartiere. Die Individualität stand im Vordergrund.

Gegenwärtig in Zürich: viel kommunaler Wohnungsbau. Aber meistens nach dem falschen Muster: DDR / Banlieue / in Hochhäusern kasernieren. Es weint die Seele der Bewohner, es weint das Kind, es weint das Quartier und es weint das Stadtbild. Im Vordergrund steht die Massenuterbringung.

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Das vergessene Stadtbild «Glacier Valley»

Zürich ist stadtbildschwach geworden. Das könnte in der Schule begonnen haben – in den fünfziger Jahren hiess das Fach «Realien». Heute ist kaum mehr etwas davon übriggeblieben. Wird jedes Hochhausprojekt in den Abstimmungen durchgewinkt weil sich diese Schwäche der Stadtseele auf die Bevölkerung übertragen hat? «zuerivitruv» will da aber nichts behaupten. 

Anfänglich genügte der See als Gestaltungselement und die Antwort darauf mit den grossartigen Quaianlagen 1885. Dann wurde die Bahnhofstrasse angelegt – vom neuen Bahnhof bis zu den Schwänen. Ein Höhenplafonds für die Gebäude und eine grosszügige Portion Paris-Stil begründete die Ästhetik der berühmt gewordenen Strasse. Es folgten die Wohnquartiere Enge, Aussersihl, Zürichberg und Seefeld.

Gestaltungsschwach fiel dann das grosse Gebiet des Sihlfelds aus; einschliesslich der dortigen Eingemeindungen. Die Zeit der Auflösung und Freigabe des Industriequartiers fiel mit dem Erlass von Hochhauszonen zusammen und Zürich West wurde deren leichte Beute. Der unkontrollierte Wildwuchs machte das «Zürcher Stoppelfeld» innerhalb von 20 Jahren zur beklagenswerten Tatsache. 

Hätte 1983 der damals sehr progressive Stadtzürcher Heimatschutz nicht die «Hochhausausschlusszone Innenstadt» in einer Abstimmung durchgebracht, wäre auch der historische Zentralbereich heute ein Stoppelfeld. Alles zeigt: Zürich braucht jetzt einen Paradigmenwechsel und mutige Akte des Städtebaus!

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Havocim «Glacier Valley»

«zuerivitruv» würde seinen aufmerksamen Leserinnen und Lesern gerrne erbauliche Bilder bringen, doch hat er das viermalige Durchwinken von unmenschlichem Silowohnen in den letzten zwölf Monaten an der Urne noch nicht verkraftet. Es braucht noch das Gesamtbild der Katastrophe. «zuerivitruv» hat sich einen Spass geleistet und aus dem fernöstlichen Land der Wohnsilos ein Beispiel eingeschmuggelt.

Es geht weiter in diesem Stil und man erhält den Eindruck, dass in Monatskadenz ein neues Hochhaus – ob von privater oder öffentlicher Hand – angekündigt wird. Dieser ausserordentlich aktive technokratische Ungeist hat weder Sinn für qualitativ gutes Wohnen noch Sinn für das Stadtbild in der einmaligen Landschaft mit Hügelketten und See. Das Kind schreit zusammen mit Stadtbild und Landschaft. «zuerivitruv» fragt seine Leserinnen und Leser: Darf es so weitergehen? Sind Sie einverstanden? oder ist Widerstand angesagt?

Meaning of Havoc in the Cambridge English Dictionary:
Confusion and lack of order that result in damage or trouble: 
The storm created complete havoc in the Park.

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Architectur without Architects

Sie sehen die pikante Anpassung des Titels gegenüber dem letzten Posting. Die glückliche Innen-Aussen-Beziehung, die wir auf der Insel Procida gesehen haben, ist auch nördlich der Alpen möglich. Die durch Architekten geplante Siedlung «Im Hegi» am Friesenberg aus dem Jahr 1925 zeigt uns, wie Wohnbaugenossenschaften stets auf dieses Urbedürfnis des Menschen geachtet haben. Die Qualität der Innen-Aussenbeziehung zu wahren wird bei grösserer Baudichte anspruchsvoller und kann bis und mit 3, maximal 4 Etagen sichergestellt werden. «zuerivitruv» hat am 29. Januar mit der Grosssiedlung «Grünmatt» am selben Hang des Üetlibergs ein sehr schönes Beispiel gebracht.

Alle neuen Wohnsiedlungen der Stadt Zürich, über die wir letzthin abstimmen konnten, fallen bezüglich Innen-Aussen-Beziehung durch. Wenn in der Siedlung «Letzi» kinderreiche Familien in einer langen 8-stöckigen Wohnzeile untergebracht werden, ist dies der krasseste der Fälle in der Schaffung von ungeeignetem Wohnraum durch die öffentliche Hand. Das weckt Erinnerungen an den rücksichtslosen staatlichen Wohnungsbau hinter dem eiserenen Vorhang.

Bild: NZZ 12. März 2021 

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Architectur without Architects

1964 löste die Ausstellung und das Buch mit diesem Titel am MoMa (Museum of Modern Art, New York) eine kleine Schockwelle aus. Sie wurde weltweit gezeigt und überraschte mit dem kulturellen und funktionalen Reichtum der sich direkt aus den Bedürfnissen des Lebens nährt. Verfasser: Bernard Rudofsky. 

Nach den im vorletzten Posting aufgezählten vier verunglückten Volksabstimmungen ist das Thema deshalb interessant, weil es uns aus Distanz demonstriert, wie die Naturkräfte im Menschen direkt seine Bauten formen. «zuerivitruv» wählt die Insel Procida bei Neapel. Die beiden Beispiele zeigen, dass der Mensch einschliesslich seiner Kinder nur eines will: möglichst direkt hinein- und hinausgehen können. 

Das neue Zürcher Silowohnen, das die Bewohner auf 8, 24 und 46 Etagen hinauf stapelt, ist völlig gegen die Natur.

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