Nr. 13: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

«zuerivitruv» schliesst mit diesem Posting die Reihe des weltbekannten dänischen Städtebau-Experten «Jan Gehl» und dankt der Leserschaft für die etwas anstrengende Lektüre seiner etwas klein geratenen und farbig unterlegten Textabschnitte. Dass es nicht die Bevölkerung ist, die nach Wohn-Hochhäusern verlangt, ist seine schöne Schlussbemerkung oben im roten Bildtext. Und wenn die neuen Welt-Kriterien von Klima und Ökologie ernstgenommen würden, müsste das Hochhaus längst Schachmatt sein.

Stellen Sie sich im stickigen Pavé von Zürich West neben der Hitzezone des 200-300 Meter breiten Gleisfelds das gigantische Stömungshindernis der vom Amt für Städtebau vorgeschlagenen 250 Meter-Zone vor. Eine Staumauer gegen Stadtdurchlüftung von 3 Kilometern Länge. Die Österreichische Stadt Graz hat bereits im Jahr 2000 – also vor 22 Jahren! – eine Klimakarte erstellt und dort Strömungshindernisse eingezeichnet. Es waren «nur» grosse Gebäude, die sich gegen die Durchlüftung der Stadt stellten, nicht ganze Wände von Hochhäusern, wie es uns das Amt für Städtebau vorschlagen will. Was beide Städte aber verbindet, ist die Schwachwindigkeit besonders in den Sommermonaten.

Wann wollen wir mit der Aufhebung der Hochhausgebiete von 2001 beginnen? – die Entsorgung der jüngsten Planungen zu deren Intensivierung natürlich eingeschlossen!

Bild rechts: Wohnüberbauung «Vulcano» in Zürich-Altstetten.

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

Artikel:  https://www.pszeitung.ch/hochhaeuser-passen-nicht-zum-homo-sapiens

Nr. 12: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

Der Hochhaus-Wildwuchs auf dem Globus findet sich vor allem dort, wo sich über Jahrhunderte kaum eine hohe Wohnkultur entwickeln konnte. In Europa ist das Wohnhochhaus eine oft wieder abgebrochene Fehlleistung. Doch hat es, einer globalen Mode folgend, Zürich erneut erreicht – als Rückschlagswelle aus Asien und den Emiraten, die wieder den Westen trifft. Für die Zürcher Wohnszene ist das tragisch, weil die Konstruktion von Hochhauswohnungen teurer zu stehen kommt und die nutzbare Wohnfläche wegen Schächten, Nottreppen, Liftbatterien kleiner ausfällt. 

Warum plant und erstellt Zürich überhaupt Hochhauswohnungen? Die Möglichkeit wurde mit entsprechenden Zonen 2001 geschaffen, dann turnten sich Investoren und ihnen zudienende Architekten und Ingenieure im entstandenen Hype. Stadtbild, Quartier und Nachbarschaft wurden beiseite gewischt. Bis das chaotische «Stoppelfeld» manifest wurde, feierte die Presse jeden Turm. Doch kamen in den letzten Jahren ganz ernsthaft die Fragen der Energie und der Ökologie aufs Tapet. Da sich für die Soziologie im Wohnen auf dem jahrzehntelangen Anbietermarkt niemand wehren konnte, bringen erst diese neuen Energie- und Ökologiefragen das Hochhaus ins straucheln.  

Die Frage, ob das Hochhausleitbild revidiert werden soll oder muss, ist jetzt ganz schnell, aber sehr deutlich hinfällig geworden. Dessen neue Planungen können archiviert und die Hochhauszonen wieder aufgehoben werden, damit der ökologische urbane Flachbau umgehend beginnen kann. 

Bild: Letzitürme, SBB Immobilien

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

Artikel:  https://www.pszeitung.ch/hochhaeuser-passen-nicht-zum-homo-sapiens

Nr. 11: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

Wir hörten im letzten Posting von Jan Gehl die Klage von der egozentrischen Bauform des Hochhauses und den dafür vorgeschlagenen Zonen in unserer Stadt und dass wir damit den städtebaulichen Absturz planen würden. 

Schon lange sinnieren kritische Geister darüber, warum das Hochhaus in unserem europäischen Kontext immer wieder gegen dessen Wesen durchschlägt. René Furer, einst Professor an der ETH, stellt in Nr. 11 seiner Hefte fest: «Inzwischen ist es schwer nachvollziehbar, wie die Schweiz um 1950 vom Hochhaus dermassen eingenommen war». In Zürich wird das Hochhaus gegenwärtig durch die vom Bauamt angebotenen Ausnützungsgeschenke noch speziell getriggert.

«zuerivitruv» vermutet neben der ursprünglich kriegsbedingten Amerikaverehrung heute ein Möchtegern-Gehabe, das von einem Minderwertigkeitskomplex herrührt. Jan Gehl wird oben in seinem Text deutlich und fragt, ob wir in Zürich einen solchen Minderwertigkeitskomplex hätten, dass wir mit Dubai konkurrieren müssten. Zu Recht bringt er die flach gebauten Städte wie Paris, Barcelona und Kopenhagen ins Spiel. Wir scheinen in Zürich «im Gestürm» vergessen zu haben eine schön angelegte europäische Stadt zu bewohnen.

Sowohl für unser Stadtbild als auch in Bezug auf die angebrochene Epoche der Ökologie stellt sich die 2001 verordnete Hochhauskur heute als Fehler heraus. Das macht einen umgehenden Stopp mit Nachdenken und Umschwenken erforderlich. Das Hochbaudepartement schlägt aber eine Verstärkung der Hochhauskur von 2001 vor. 

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

Artikel:  https://www.pszeitung.ch/hochhaeuser-passen-nicht-zum-homo-sapiens

Nr 11: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

Wir hörten im letzten Posting von Jan Gehl die Klage von der egozentrischen Bauform des Hochhauses und den dafür vorgeschlagenen Zonen in unserer Stadt und dass wir damit den städtebaulichen Absturz planen würden. 

Schon lange sinnieren kritische Geister darüber, warum das Hochhaus in unserem europäischen Kontext immer wieder gegen dessen Wesen durchschlägt. René Furer, einst Professor an der ETH, stellt in Nr. 11 seiner Hefte fest: «Inzwischen ist es schwer nachvollziehbar, wie die Schweiz um 1950 vom Hochhaus dermassen eingenommen war». In Zürich wird das Hochhaus gegenwärtig durch die vom Bauamt angebotenen Ausnützungsgeschenken getriggert.

«zuerivitruv» vermutet neben der ursprünglich kriegsbedingten Amerikaverehrung heute ein Möchtegern-Gehabe, das von einem Minderwertigkeitskomplex herrührt. Jan Gehl wird oben in seinem Text deutlich und fragt, ob wir in Zürich einen solchen Minderwertigkeitskomplex hätten, dass wir mit Dubai konkurrieren müssten. Zu Recht bringt er die flach gebauten Städte wie Paris, Barcelona und Kopenhagen ins Spiel. Wir scheinen in Zürich «im Gestürm» vergessen zu haben eine schön angelegte europäische Stadt zu bewohnen.

Sowohl für unser Stadtbild als auch in Bezug auf die angebrochene Epoche der Ökologie stellt sich die 2001 verordnete Hochhauskur heute als Fehler heraus. Das macht einen umgehenden Stopp mit Nachdenken und Umschwenken erforderlich. Das Hochbaudepartement schlägt aber eine Verstärkung der Hochhauskur von 2001 vor. 

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

Artikel:  https://www.pszeitung.ch/hochhaeuser-passen-nicht-zum-homo-sapiens

Nr. 10: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

Jan Gehl spricht im blauen Abschnitt vom Hochhaus als egozentrische Bauform. Dafür hat das Amt für Städtebau in seiner neusten am 14. Juni gezeigten Version für die Revision der Hochhauszonen einen sehr speziellen Streifen vorgesehen. Sie sehen das Gebiet mit schwarzer Schraffur im dunkelblauen Feld – eine etwa 3 Kilometer lange Zone für Gebäudehöhen bis zu 250 Meter. Darin könnte sich mit der Zeit eine ganze «egozentrische Wand» erheben:  Eine Trennwand längs mitten im schönen offenen Gletschertal. Sie würde sich übrigens aus einem noch längeren Sockel mit Bauhöhen von 80 Metern erheben.

Die Menschen wären künftig in eine südwestliche und eine nordöstliche Spezies geschieden. Die einen hätten ihren Uetliberg mit dem heissen Gleisfeld, die anderen ihren Käferberg mit der kühlen Limmat.

Die Limmat wäre nicht «frei», sie würde von einem schmalen Streifen mit 60 Metern Bauhöhe gefasst, eng sekundiert von einer breiten Wand von 80 Metern Höhe, aus der sich dann der 250 Meter hohe Kamm erhöbe. Wie an der East Side von Manhattan wäre auch in Zürich für eine lange Zone des traurigen Schattens auf dem Fluss gesorgt. In New York ist das vor Jahrzehnten einfach «passiert», wir aber planen den städtebaulichen Absturz. 

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

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Nr. 9: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

Obwohl die Hitze jetzt gerade verschwunden ist, wissen wir aus dem letzten Posting, wie ihr zu begegnen wäre. Wir kehren zu Jan Gehls Interview zurück: «Hochhäuser passen nicht zum Homo sapiens». Seine Aussagen in der P.S.-Zeitung sind ab jetzt blau unterlegt, die Ergänzungen von «zuerivitruv» wie üblich weiss.

Es ist eine Mischung: Erst wurden Hochhäuser in Zürich aus einer Kombination von Amerikabewunderung und Minderwertigkeitskomplex gebaut. Dann kam sicher da und dort die Verlockung dazu, nur einen Grundriss mal X entwerfen zu müssen. Indiz dafür ist, dass neue Exemplare kaum mehr ein Unten, eine Mitte und einen oberen Abschluss haben. Beim Prime Tower zum Beispiel knallt die Bürofassade aus 126 Metern Höhe direkt in den Asphalt – dahinter schon der erste Arbeitsplatz. Das Stapeln der Büroetagen wurde in Zürich bedenkenlos auf das Wohnen übertragen. Die bisher grösste Groteske ist das Projekt «Ensemble» am Hardturm, wo sich Familienwohnungen bis 137 Meter Höhe in zwei Türmen stapeln sollen.

Hochhäuser sind in Zürich Vorhaben der Grossinvestoren. Warum? Auf der Informationstafel des Basilisk-Turms beim Letzipark (Shopping-Center – kein «Park») ist zu lesen, dass es «Rundsicht über die Stadt ab der 7. Etage» gebe. Die bereits 20-40% teureren Hochhausmieten können offenbar nochmals angehoben werden. Das Ganze ist zu einem die Stadt schädigenden Anlagespiel im abgehobenen Hochformat degeneriert. Der urbane Flachbau des Zonenplans hingegen führt zu einer Planung im Kontext der Nachbarschaft. Dafür haben die Architekten an der ETH eine vorzügliche Ausbildung erhalten. Kommt neuerdings noch das Klima ins Spiel, braucht es die Synthese von Haus & Baum. Das ist in den Zürcher Bauzonen bereits möglich. Mit Hochhäusern kann weder die Nachbarschaft noch die Stadt oder das Klima gewinnen.

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

Artikel:  https://www.pszeitung.ch/hochhaeuser-passen-nicht-zum-homo-sapiens

Zürich – ein heisser Zementhaufen?

Infolge andauernder Hitze in der Stadt unterbricht «zuerivitruv» seine Jan Gehl-Reihe. Der Baum, der so hoch wächst, dass er selbst Hochhäuser beschatten kann, ist noch nicht erfunden. Wir alle kennen den flirrenden Schatten in den grossen Boulevards von Paris. Es ist vorwiegend Paris, weil dort bei der Stadterneuerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Boulevard als Einheit von Baum und Gebäude konzipiert wurde. In Paris gibt es deshalb nicht nur das Entweder-Oder von im Haus oder ausser Haus sein – es gibt auch den Boulevard als angenehm gestalteten Lebensraum in der Stadt. Dazu gehörig die hohen Stämme der tief wurzelnden Bäume – aus aktueller Hitzeerfahrung im 21. Jahrhundert eine geniale natürliche Klimaanlage. Auch die Stimmung wollen wir nicht vergessen. Pissarro, Monet und weitere Impressionisten haben sie festgehalten.

Das alles geht aber nicht, wenn Hochhäuser den Baumhorizont übersteigen und im Kollektiv in der Hitze glühen. Warum will uns das Amt für Städtebau eine Vergrösserung der Hochhauszonen, und darin noch solche von 250 Metern Höhe, aufdrängen? 

Bilder: Altstetten & Hermann Greulich Strasse

Nr. 8: Jan Gehl / Hochhaus und Stadt

Letztes Mal verweilten wir beim Zürcher Volkswillen im Jahr 1984. Eher mit George Orwell haben die zwei kleinen Begleitbilder zu tun. Sie veranschaulichen, was passiert, wenn Investoren unbegrenzt dominieren dürfen und was das für ein gut gewachsenes Stadtgewebe wie in Zürich bedeutet. Es bedeutet den Verlust der Silhouette, weil der Höhenplafond der Gebäude gewaltsam durchbrochen ist. Die charakteristischen Hügelzüge verschwinden. Das Gleichgewicht zwischen Stadt und Landschaft ist gekippt. Hier in Altstetten bedeutet das auch die totale Versteinerung und das in einer Zeit, in der fast nur noch über Stadtklima und die Bewältigung von Hitze gesprochen wird. Man kann sich kaum weiter vom Pfad der Vernunft entfernen, als neben der Hitzeinsel des Gleisfelds «Zementhaufen» aufzutürmen, die weit aus jeglichem Baumhorizont ragen und sich ungeschützt von der Sonne aufheizen lassen. 

Ein Blick auf London macht klar, dass eine Stadt ihren Ruf ästhetisch nachhaltig schädigen kann. Wer kommt noch dieses Chaos anzusehen, wenn sie/er «Changing oft the Guards», die Carnaby Street und den Hyde Park schon im letzten Jahrhundert erlebt haben?

Wer lenkt? – die Stadt oder die Investoren? That is the big Zurich-Question.

P.S., die linke Zürcher Zeitung, Nr. 22/22, 3. Juni 2022, Seite 12 www.pszeitung.ch

Artikel:  https://www.pszeitung.ch/hochhaeuser-passen-nicht-zum-homo-sapiens